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Compliance-Fahrplan 2026/2027: Alle neuen EU-Regeln im Zeitstrahl

12. August 2026 · Max Benz

Zwischen April 2026 und Dezember 2027 treten mindestens zehn neue EU-Regelungen in Kraft, die Online-Shops direkt betreffen, von der Widerrufsbutton-Pflicht über die EU-Verpackungsverordnung bis zum Digitalen Produktpass. Die meisten Ratgeber sortieren diese Pflichten nach Rechtsgebiet. Das hilft wenig, wenn die eigentliche Frage lautet: Was muss ich wann erledigt haben? Dieser Beitrag beantwortet genau das. Er ordnet jede relevante Regelung nach ihrem Stichtag, zeigt den kompletten Zeitstrahl auf einen Blick und verlinkt bei jedem Punkt auf den passenden Tiefen-Ratgeber, statt jedes Regelwerk erneut zu erklären.

Warum jetzt ein Compliance-Fahrplan nötig ist

Die EU hat in den letzten beiden Jahren gleich mehrere große Gesetzespakete verabschiedet, die alle in einem engen Zeitfenster wirksam werden: Verbraucherschutz (Widerrufsbutton, Gewährleistungslabel, EmpCo-Richtlinie), Produktsicherheit und Cybersicherheit (Cyber Resilience Act), Umweltrecht (PPWR, Digitaler Produktpass) und Transparenzpflichten für künstliche Intelligenz (AI Act). Für einen einzelnen Shopify-Händler wirkt das wie eine Wand aus Paragrafen, die alle gleichzeitig fällig werden.

Tatsächlich verteilen sich die Stichtage über anderthalb Jahre, und nicht jede Pflicht betrifft jeden Shop gleich stark. Wer weiß, welche Frist wann kommt, kann Ressourcen gezielt einplanen, statt kurz vor jedem Stichtag in Hektik zu verfallen. Genau dafür ist dieser Fahrplan gedacht: als Planungsgrundlage, nicht als vollständiger Rechtskommentar zu jeder einzelnen Regelung.

Alle Fristen 2026 und 2027 im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt jede neue Regelung mit Stichtag, Kernpflicht und Rechtsgrundlage in chronologischer Reihenfolge.

DatumRegelungKernpflicht für den ShopRechtsgrundlage
28.04.2026Laptop-KennzeichnungspflichtPiktogramm und Ladeeigenschaften-Label direkt bei Preis und ProduktbildÖkodesign-Durchführungsverordnung (EU) 2023/1670
19.06.2026Widerrufsbutton-PflichtDauerhaft sichtbarer Online-Widerruf, zweistufiger Prozess§ 356a BGB (neu), Richtlinie (EU) 2023/2673
31.07.2026Recht auf ReparaturReparaturangebot zu angemessenem Preis, verlängerte Gewährleistung bei ReparaturRichtlinie (EU) 2024/1799
02.08.2026KI-KennzeichnungspflichtKI-generierte Texte, Bilder und Chatbots im Frontend kennzeichnenArt. 50 AI Act (EU 2024/1689)
12.08.2026PPWR-VerpackungsverordnungGrundlegende Kennzeichnung, Bevollmächtigter je ZielmarktVO (EU) 2025/40
11.09.2026Cyber Resilience Act, MeldepflichtenMeldung schwerwiegender Sicherheitsvorfälle bei vernetzten ProduktenArt. 14 VO (EU) 2024/2847
27.09.2026EU-GewährleistungslabelPflichtlabel im Checkout vor VertragsschlussDurchführungsverordnung (EU) 2025/1960
27.09.2026EmpCo-Richtlinie (Green Claims)Belegpflicht für Umweltaussagen wie “klimaneutral” oder “nachhaltig”UWG-Novelle, Richtlinie (EU) 2024/825
Februar 2027Digitaler Produktpass, erste KategorieBatteriepass für EV-, LMT- und Industriebatterien über 2 kWhBatterieverordnung (EU) 2023/1542
11.12.2027Cyber Resilience Act, volle AnwendungNur noch vollständig konforme vernetzte Produkte dürfen in Verkehr gebracht werdenVO (EU) 2024/2847

Ein kurzer Hinweis zur Reihenfolge: Zwei Regelungen teilen sich mit dem 27. September 2026 denselben Stichtag. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis unterschiedlicher, zeitlich parallel laufender Gesetzgebungsverfahren, die zufällig auf dasselbe Datum fallen. Wer im Spätsommer 2026 plant, sollte diesen Doppel-Stichtag als eigenen Meilenstein im Kalender markieren.

Der folgende Zeitstrahl visualisiert dieselben Stichtage grafisch.

Zeitstrahl aller neuen EU-Regeln für Online-Shops von April 2026 bis Dezember 2027

Bereits in Kraft: Die Basis vor 2026

Bevor der eigentliche Fahrplan beginnt, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Drei Regelwerke sind bereits seit 2024 beziehungsweise 2025 verbindlich und bilden die Grundlage, auf der die neuen 2026er-Pflichten aufbauen: die GPSR für Produktsicherheit seit 13. Dezember 2024, das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) seit 28. Juni 2025 und das Batteriegesetz (BattDG) seit 18. August 2025. Wer diese drei Baustellen noch nicht abgeschlossen hat, sollte sie vor den neuen 2026er-Fristen priorisieren, weil dort bereits heute Abmahnrisiken bestehen.

Der Fahrplan im Detail

28. April 2026: Laptop-Kennzeichnungspflicht

Seit dem 28. April 2026 müssen Online-Shops bei jedem neu in Verkehr gebrachten Laptop zwei Angaben direkt neben dem Preis zeigen: ein Piktogramm, das anzeigt, ob ein Netzteil im Lieferumfang enthalten ist, und ein Label mit den erforderlichen Ladeeigenschaften, etwa minimale und maximale Leistung sowie USB-Power-Delivery-Unterstützung. Grundlage ist die Ökodesign-Durchführungsverordnung (EU) 2023/1670, die Elektroschrott durch überflüssige Netzteile reduzieren soll. Betroffen sind nur Geräte, die nach dem Stichtag neu auf den Markt kommen, bereits verkaufte Bestandsware ist ausgenommen. Für Shops mit Elektroniksortiment ist das eine der am wenigsten bekannten Pflichten in diesem Fahrplan, aber eine mit unmittelbarer Produktseiten-Relevanz.

19. Juni 2026: Widerrufsbutton-Pflicht

Seit dem 19. Juni 2026 muss jeder Online-Shop mit Verbraucherverträgen einen dauerhaft sichtbaren Widerrufsbutton bereitstellen, über den Kunden einen Vertrag ebenso einfach widerrufen können, wie sie ihn abgeschlossen haben. Der Prozess ist zweistufig und endet mit einer automatischen E-Mail-Bestätigung. Die vollständige Umsetzung inklusive Shopify-Anleitung steht im Leitfaden zur Widerrufsbutton-Pflicht.

31. Juli 2026: Recht auf Reparatur

Ab dem 31. Juli 2026 gilt die Richtlinie (EU) 2024/1799 zum Recht auf Reparatur in deutsches Recht umgesetzt. Für bestimmte Produktgruppen wie Waschmaschinen und Smartphones müssen Hersteller Reparaturen zu einem angemessenen Preis anbieten, statt Kunden faktisch zum Neukauf zu drängen. Entscheidet sich ein Kunde für die Reparatur statt einer Ersatzlieferung, verlängert sich die gesetzliche Gewährleistung auf bis zu drei Jahre. Für Händler, die selbst als Hersteller im Sinne des Gesetzes gelten, etwa bei Eigenmarken mit reparierbaren Elektronikkomponenten, wird das zu einer operativen Pflicht. Reine Wiederverkäufer sind in der Regel nicht direkt adressiert, sollten die Regelung aber bei der Lieferantenauswahl im Blick behalten.

2. August 2026: KI-Kennzeichnungspflicht

Artikel 50 des AI Acts gilt seit dem 2. August 2026 für alle Shops, die KI-generierte Texte, Bilder oder Chatbots im Frontend einsetzen. Wer KI-Produktbeschreibungen, KI-Bildmaterial für Marketing oder einen KI-Kundenservice-Bot nutzt, ohne das erkennbar zu machen, riskiert Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Eine Übergangsfrist gab es nur für Altbestände: Inhalte von vor dem 2. August 2026 mussten erst bis zum 2. Dezember 2026 nachträglich gekennzeichnet werden. Details und die konkrete Umsetzung ohne Theme-Code liefert der Leitfaden zur KI-Kennzeichnungspflicht.

12. August 2026: PPWR wird unmittelbar geltendes Recht

Die PPWR (VO (EU) 2025/40) gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar in jedem Mitgliedstaat und ersetzt die alte Verpackungsrichtlinie. Ab diesem Stichtag greifen die grundlegenden Kennzeichnungspflichten nach Art. 12. Zusätzlich müssen Händler, die in andere EU-Länder versenden, dort einen Bevollmächtigten benennen. Erweiterte Kennzeichnungsvorgaben folgen gestaffelt bis 2028. Die vollständige Fristenübersicht und Kennzeichnungspflichten stehen im PPWR-Leitfaden, die Registrierungspflicht selbst im LUCID-Verpackungsregister-Ratgeber.

11. September 2026: Erste CRA-Meldepflichten

Die ersten Meldepflichten des Cyber Resilience Act gelten ab dem 11. September 2026: Hersteller vernetzter Produkte, etwa Smart-Home-Geräte oder Wearables mit eigener Firmware, müssen aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle innerhalb von 24 Stunden erstmelden. Für die meisten Shopify-Händler, die als reine Distributoren gelten, betrifft das zunächst nur, ob die eigenen Lieferanten diese Meldepflicht erfüllen können. Wer selbst unter eigener Marke vernetzte Hardware entwickeln lässt, gilt als Hersteller und ist direkt in der Pflicht. Die vollständige Rollenverteilung erklärt der CRA-Leitfaden.

27. September 2026: Doppel-Stichtag Gewährleistungslabel und EmpCo-Richtlinie

Am selben Tag treten zwei unabhängige Regelungen in Kraft. Erstens wird das EU-Gewährleistungslabel für jeden B2C-Shop verpflichtend, ein einheitliches Pflichtlabel, das vor Vertragsschluss über die gesetzliche Mängelhaftung informiert. Zweitens greift die EmpCo-Richtlinie, umgesetzt über eine Novelle des UWG: Vage Umweltaussagen wie “klimaneutral” oder “nachhaltig” sind ab diesem Datum nur noch zulässig, wenn sie durch überprüfbare Nachweise belegt sind. Wer mit Nachhaltigkeitsversprechen wirbt, findet die Details im Leitfaden zur Green Claims Directive. Weil beide Pflichten am selben Tag greifen und beide Checkout- beziehungsweise Produktseiten-Anpassungen erfordern, lohnt sich für diesen Termin ein eigener interner Testlauf, statt beide Themen getrennt kurz vor knapp abzuarbeiten.

Februar 2027: Digitaler Produktpass startet mit dem Batteriepass

Ab Februar 2027 wird der Digitale Produktpass für die erste Produktkategorie verpflichtend: den Batteriepass für Elektrofahrzeug-, Leichtfahrzeug- und Industriebatterien über 2 kWh. Für die meisten reinen Handelsshops betrifft das zunächst nur Sortimente mit E-Bike-Akkus, Powerstations oder vergleichbaren Großbatterien. Weitere Produktkategorien wie Textilien und Elektronik folgen in den Jahren danach, mit Terminverschiebungen, die in der Vergangenheit bereits mehrfach vorkamen. Was konkret vorzubereiten ist und welche Daten der Produktpass verlangt, erklärt der Leitfaden zum Digitalen Produktpass.

11. Dezember 2027: Cyber Resilience Act gilt vollständig

Ab dem 11. Dezember 2027 dürfen nur noch vollständig CRA-konforme Produkte mit digitalen Elementen in der EU in Verkehr gebracht werden, auch bestehende Produktmodelle. Bis dahin müssen Hersteller Security-by-Design, eine Software Bill of Materials und ein strukturiertes Schwachstellenmanagement etabliert haben. Für Shopify-Händler mit Elektroniksortiment ist das der Termin, ab dem sich Lieferantenauswahl und CRA-Konformität direkt auf die Verkaufsfähigkeit einzelner Produkte auswirken.

So bereitest du deinen Shop auf den Fahrplan vor

  1. Sortiment gegen die Tabelle prüfen. Nicht jede Regelung betrifft jeden Shop. Verpackungsrecht und Gewährleistungslabel betreffen praktisch alle, CRA und Digitaler Produktpass nur Shops mit vernetzten Produkten oder großen Batterien.
  2. Die nächsten drei Stichtage priorisieren. Statt alle zehn Termine parallel zu bearbeiten, die zeitlich nächsten drei identifizieren und dafür konkrete Aufgaben mit Verantwortlichkeiten festlegen.
  3. Checkout und Produktseiten als gemeinsame Baustelle behandeln. Widerrufsbutton, Gewährleistungslabel und Laptop-Kennzeichnung greifen alle an denselben Stellen im Shop. Eine gemeinsame technische Umsetzung spart doppelte Arbeit.
  4. Lieferanten aktiv einbinden. CRA-Meldepflichten, Digitaler Produktpass und Recht auf Reparatur hängen zu großen Teilen von Herstellerdaten ab, die der Shop selbst nicht erzeugen kann. Frühzeitig anfragen, nicht erst kurz vor dem Stichtag.
  5. Testlauf vor jedem Stichtag einplanen. Wie bei der Widerrufsbutton-Pflicht empfohlen, gilt auch hier: Der komplette Bestellweg sollte als Testkauf durchgespielt werden, bevor eine neue Pflicht scharf geschaltet wird, nicht erst danach.

Ein Compliance-Tool wie shopcompliance.net bildet einen Teil dieser Aufgaben automatisiert ab, etwa vorkonfigurierte Rechtsseiten und geprüfte Checkout-Bausteine für die Pflichten mit Frontend-Bezug. Die Lieferantenkoordination für CRA, Produktpass und Reparaturpflicht bleibt aber in jedem Fall manuelle Aufgabe des Händlers.

Häufig gestellte Fragen zum EU-Compliance-Fahrplan 2026/2027

Welche neuen EU-Gesetze betreffen Online-Shops 2026 am stärksten?

Am breitesten wirken die Widerrufsbutton-Pflicht (19. Juni 2026), die PPWR-Verpackungsverordnung (12. August 2026) und das EU-Gewährleistungslabel (27. September 2026), weil sie praktisch jeden B2C-Shop unabhängig vom Sortiment betreffen. CRA, Digitaler Produktpass und Laptop-Kennzeichnung sind dagegen sortimentsabhängig.

Gibt es eine zentrale Frist, ab der alle Pflichten gleichzeitig gelten?

Nein. Die Fristen verteilen sich zwischen April 2026 und Dezember 2027. Einziger Doppel-Stichtag ist der 27. September 2026, an dem Gewährleistungslabel und EmpCo-Richtlinie gleichzeitig greifen.

Was passiert, wenn ich eine Frist verpasse?

Das hängt von der jeweiligen Regelung ab. Verbraucherschutzrechtliche Pflichten wie Widerrufsbutton und Gewährleistungslabel sind vor allem ein Abmahnrisiko durch Mitbewerber. Produktsicherheitsrechtliche Pflichten wie CRA oder Digitaler Produktpass können dagegen zu einem Vertriebsverbot für die betroffenen Produkte führen, was wirtschaftlich deutlich schwerer wiegt.

Muss ich als kleiner Shopify-Shop alle diese Regelungen umsetzen?

Verbraucherschutzrechtliche Pflichten wie Widerrufsbutton, Gewährleistungslabel und EmpCo-Richtlinie gelten unabhängig von der Unternehmensgröße. Produktbezogene Pflichten wie CRA, Digitaler Produktpass, Laptop-Kennzeichnung oder Recht auf Reparatur greifen dagegen nur, wenn das eigene Sortiment die jeweilige Produktkategorie tatsächlich enthält.

Wo finde ich Details zu einer einzelnen Regelung aus dem Fahrplan?

Jeder Abschnitt oben verlinkt auf den passenden Tiefen-Ratgeber mit vollständiger Umsetzung, etwa zu Widerrufsbutton, PPWR, EU-Gewährleistungslabel, Cyber Resilience Act, Digitalem Produktpass, Green Claims Directive und KI-Kennzeichnungspflicht. Für die allgemeinen, nicht terminabhängigen Pflichtbereiche eignet sich die Compliance-Checkliste für Shopify-Shops, für sortimentsspezifische Fragen die Übersichtsmatrix nach Produktkategorie.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall wende dich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.