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Widerrufsbutton-Pflicht ab 19.06.2026: So setzt du sie um

29. Juni 2026 · Max Benz

Seit dem 19. Juni 2026 gilt die Widerrufsbutton-Pflicht für nahezu alle deutschen Online-Shops. Die neue Pflicht schreibt vor, dass Verbraucher einen Fernabsatzvertrag genauso einfach widerrufen können müssen, wie sie ihn abgeschlossen haben. Das Gesetz, § 356a BGB (neu), wurde im Februar 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet. Wer noch keinen Widerrufsbutton eingebaut hat, riskiert jedoch Abmahnungen durch Mitbewerber und eine unbegrenzte Verlängerung der Widerrufsfrist.

Dieser Artikel erklärt, was der Widerrufsbutton technisch leisten muss, wer betroffen ist und wie du ihn in deinem Shopify-Shop einrichtest, ohne Theme-Code anfassen zu müssen.

Was ist der Widerrufsbutton?

Der Widerrufsbutton ist eine gesetzlich vorgeschriebene digitale Funktion, über die Verbraucher einen Fernabsatzvertrag ebenso einfach widerrufen können, wie sie ihn abgeschlossen haben. Das Ziel: kein Suchen nach E-Mail-Vorlagen, kein Ausfüllen von PDF-Formularen, kein Anruf beim Händler.

Die Pflicht basiert auf der EU-Richtlinie 2023/2673, die Deutschland mit einer Neufassung von § 356a BGB umgesetzt hat. Die Regelung gilt seit dem 19. Juni 2026 und greift für alle Online-Händler, die Fernabsatzverträge mit Verbrauchern über eine Online-Benutzeroberfläche abschließen.

Wer muss den Widerrufsbutton einbauen?

Alle Online-Händler, die über eine Online-Benutzeroberfläche Verträge mit Verbrauchern abschließen, müssen den Widerrufsbutton einbauen, unabhängig von Unternehmensgröße oder Jahresumsatz.

Betroffen sind Shops, die Waren, digitale Dienstleistungen, Abonnements oder Finanzprodukte an Verbraucher verkaufen. Auch Apps, Spielkonsolen-Plattformen und andere digitale Interfaces fallen darunter, soweit Fernabsatzverträge geschlossen werden.

Keine Ausnahme für Kleinunternehmer

Kleinstunternehmer, Einzelhändler mit geringem Umsatz und Start-ups sind nicht befreit. Das Gesetz macht keinen Unterschied nach Unternehmensgröße. Wer B2C-Fernabsatzverträge über das Internet abschließt, muss den Button haben.

Was ist mit B2B-Shops?

Reine B2B-Shops sind ausgenommen, sofern sie ausschließlich an Unternehmen verkaufen und das technisch absichern, etwa per Pflicht-Eingabe einer Umsatzsteuer-ID. Wer dagegen auch Verbraucher als Kunden hat, braucht den Button eindeutig, auch wenn der Shop offiziell als B2B positioniert ist.

Was gilt für Marktplätze wie Amazon und eBay?

Wer auf Marktplätzen wie Amazon, eBay oder Etsy verkauft, ist in der Regel nicht selbst für die technische Bereitstellung des Widerrufsbuttons verantwortlich. Der Marktplatzbetreiber trägt die Verantwortung für die Umsetzung auf seiner Plattform. Als Händler bist du aber weiterhin für die korrekte Abwicklung des Widerrufs zuständig.

Wie muss der Widerrufsbutton aussehen und funktionieren?

Der Button muss mit “Vertrag widerrufen” oder einer gleichbedeutenden Formulierung beschriftet, dauerhaft zugänglich und Teil eines zweistufigen Prozesses sein, der mit einer sofortigen E-Mail-Bestätigung endet.

Die Gestaltung ist nicht frei wählbar. Der Text “Vertrag widerrufen” ist die empfohlene Formulierung laut Gesetz. Abweichende Texte wie “Kauf rückgängig machen” tragen ein Abmahnrisiko, weil Gerichte die Eindeutigkeit streng auslegen.

Einen Widerrufsbutton, der nur für eingeloggte Kunden sichtbar ist, reicht nicht aus. Gastbesteller haben dasselbe Widerrufsrecht. Die Funktion muss also ohne Login erreichbar sein.

Der zweistufige Prozess im Detail

Zweistufiger Widerrufsprozess: Klick auf Button, Formular ausfüllen, E-Mail-Bestätigung erhalten

Der Widerrufsbutton löst einen zweistufigen Prozess aus:

  1. Schritt 1: Widerrufsformular. Nach dem Klick auf “Vertrag widerrufen” landet der Verbraucher auf einem Online-Formular. Dort trägt er Name, Bestellnummer und seine E-Mail-Adresse ein.
  2. Schritt 2: Bestätigung. Ein zweiter Button mit der Aufschrift “Widerruf bestätigen” sendet den Widerruf ab. Erst dieser Klick schließt den Vorgang rechtsgültig ab.
  3. Schritt 3: E-Mail-Bestätigung. Der Shop muss dem Verbraucher unverzüglich eine Eingangsbestätigung per E-Mail senden. Diese gilt als dauerhafter Datenträger im Sinne des Gesetzes.

Was muss das Widerrufsformular enthalten?

Das Formular muss mindestens diese Angaben ermöglichen:

  • Name des Verbrauchers
  • Bestellnummer oder andere Vertragskennung
  • Angabe, auf welchem Weg die Eingangsbestätigung zugesandt werden soll (E-Mail-Adresse)
  • Option für einen Teilwiderruf, etwa über Artikelnummern oder ein Freitextfeld

Welche Bestätigungs-E-Mail muss der Shop senden?

Die Bestätigungs-E-Mail muss den Inhalt der Widerrufserklärung enthalten sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs. Sie ist kein einfaches “Wir haben Ihre Anfrage erhalten”, sondern muss nachweisbar den vollständigen Widerrufsvorgang dokumentieren.

So richtest du den Widerrufsbutton in Shopify ein

In Shopify gibt es zwei Wege: eine App (ohne Theme-Code) oder die manuelle Integration über den Liquid-Code des Themes. Für die meisten Händler ist die App-Option der schnellere und rechtlich sicherere Weg.

Option 1: App (ohne Theme-Code)

Der einfachste Weg für Shopify-Händler ohne Entwickler-Kenntnisse ist eine fertige App, die den gesamten Prozess abdeckt, von der Button-Darstellung über das Formular bis zur automatischen Bestätigungs-E-Mail.

Vorgehen:

  1. App im Shopify App Store suchen (z.B. “Widerrufsbutton” oder “Vertrag widerrufen”)
  2. App installieren und im App-Dashboard konfigurieren
  3. Den Bereich im Shop auswählen, in dem der Button erscheinen soll (üblicherweise Bestellübersicht oder Kunden-Account)
  4. Testlauf durchführen: Widerruf als Testkunde auslösen und prüfen, ob die Bestätigungs-E-Mail korrekt ankommt
  5. Widerrufsbelehrung im Shop aktualisieren und auf den neuen Online-Weg hinweisen (empfohlene Formulierung: “Sie können Ihren Widerruf auch über unsere Online-Funktion unter [URL] ausüben.”)

Apps werden in der Regel automatisch aktualisiert und passen sich genau dann an Gesetzesänderungen an, wenn es nötig ist, was bei manueller Umsetzung aufwendig wäre.

Option 2: Manuelle Umsetzung via Liquid-Code

Wer den Button manuell einbauen möchte, muss das Shopify-Theme direkt bearbeiten. Das erfordert Kenntnisse in Liquid, HTML und Shopify-Webhooks, da der Prozess eine Backend-Anbindung für die E-Mail-Bestätigung benötigt.

Die manuelle Variante ist allerdings nur empfehlenswert, wenn ein Entwickler direkt zur Hand ist und sicherstellen kann, dass der zweistufige Prozess vollständig und rechtskonform implementiert ist.

Checkliste nach der Einrichtung

Checkliste: 6 Punkte für einen rechtskonformen Widerrufsbutton

Nachdem der Button eingerichtet ist, solltest du folgendes prüfen:

  • Button ist auf der Bestellübersicht oder im Kunden-Account dauerhaft sichtbar
  • Formular fragt nach Name, Bestellnummer und E-Mail-Adresse
  • “Widerruf bestätigen” erscheint als zweiter Klick
  • Bestätigungs-E-Mail geht innerhalb von Sekunden nach dem Klick ab
  • E-Mail enthält die vollständige Widerrufserklärung mit Zeitstempel
  • Widerrufsbelehrung im Shop wurde um einen Hinweis auf die Online-Funktion ergänzt

Für welche Produkte gilt kein Widerrufsrecht?

Kein Widerrufsrecht gilt bei individuell angepassten Waren, verderblichen Produkten und bestimmten digitalen Inhalten. Für diese Produktkategorien greift die Widerrufsbutton-Pflicht entsprechend nicht:

  • Individuell angefertigte oder personalisierte Produkte (z.B. gravierter Schmuck, maßgeschneiderte Kleidung)
  • Verderbliche Waren wie frische Lebensmittel
  • Entsiegelte Hygiene- oder Gesundheitsprodukte, wenn das Siegel nach der Lieferung gebrochen wurde
  • Digitale Inhalte, deren Ausführung mit Einwilligung des Verbrauchers bereits begonnen hat

Wer ein gemischtes Sortiment betreibt, also Produkte mit und ohne Widerrufsrecht verkauft, sollte den Button trotzdem für alle Produkte einbauen. Das vermeidet Unsicherheit und reduziert das Abmahnrisiko.

Was droht bei fehlendem Widerrufsbutton?

Kein Widerrufsbutton: 3 rechtliche Risiken (Abmahnung, verlängerte Widerrufsfrist, Bußgeld)

Fehlt der Widerrufsbutton, drohen Abmahnungen durch Mitbewerber, eine unbegrenzte Verlängerung der Widerrufsfrist und bei größeren Händlern Bußgelder.

Abmahnungen durch Mitbewerber und Abmahnvereine sind die unmittelbarste Gefahr. Der fehlende Widerrufsbutton gilt als Wettbewerbsverstoß und gibt Konkurrenten eine rechtliche Handhabe.

Wer keinen rechtskonformen Widerrufsbutton hat, erfüllt die Informationspflichten gegenüber dem Verbraucher nicht vollständig. Folge: Die Widerrufsfrist von 14 Tagen beginnt nie richtig zu laufen. Verbraucher können theoretisch noch Monate nach dem Kauf widerrufen.

Für Händler mit einem Jahresumsatz von mehr als 1,25 Millionen Euro kann das Fehlen des Buttons als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Bußgelder sind möglich und können je nach Einzelfall im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich liegen.

Häufige Fragen zum Widerrufsbutton

Muss der Widerrufsbutton immer sichtbar sein?

Der Button muss während der gesamten Widerrufsfrist dauerhaft und ohne unnötige Hürden erreichbar sein. Er darf nicht hinter einem Login versteckt, nur in bestimmten Browsern zugänglich oder nach einer bestimmten Zeit ausgeblendet sein.

Ein Link ist grundsätzlich zulässig, wenn er optisch klar als Funktion erkennbar ist und die gleiche Zugänglichkeit bietet wie ein Button. In der Praxis empfehlen die meisten Rechtsexperten einen echten Button, da er die gesetzliche Anforderung eindeutiger erfüllt und das Abmahnrisiko minimiert.

Gilt die Pflicht auch für digitale Produkte?

Für digitale Produkte, bei denen das Widerrufsrecht bereits mit Beginn der Ausführung erlischt, muss der Button trotzdem im Shop vorhanden sein. Er erscheint in der Bestellübersicht und im Kunden-Account, auch wenn Kunden ihn für bereits gelieferte digitale Inhalte faktisch nicht nutzen können.

Gilt die Widerrufsbutton-Pflicht für Abonnements?

Abonnements fallen unter die Pflicht, da es sich um Fernabsatzverträge mit Verbrauchern handelt. Der Button muss dem Kunden ermöglichen, den laufenden Abonnementvertrag zu widerrufen, solange er sich noch in der Widerrufsfrist befindet.

Wie lange haben Kunden Zeit für den Widerruf?

Die gesetzliche Widerrufsfrist von 14 Tagen bleibt unverändert. Sie beginnt mit Erhalt der Ware bei Warenkäufen oder mit Vertragsschluss bei Dienstleistungen. Durch die Pflicht zum Widerrufsbutton ändert sich an der Fristberechnung selbst nichts.


Den vollständigen Text der Widerrufsbelehrung für deinen Shop findest du im Leitfaden zu den Pflichtangaben für Online-Shops.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall wende dich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.