Welche Compliance-Pflichten gelten für meinen Shopify-Shop? (Checkliste)
Mit jedem Geschäftsjahr wächst die Liste der gesetzlichen Anforderungen für Online-Händler. Wer einen Shopify-Shop in Deutschland oder für den deutschsprachigen Markt betreibt, muss 2026 gleich mehrere neue Fristen im Blick haben: Widerrufsbutton, Gewährleistungslabel, PPWR und mehr. Dieser Artikel gibt dir eine vollständige Übersicht aller relevanten Compliance-Bereiche und eine praxisnahe Checkliste, mit der du den Status deines Shops schnell einschätzen kannst.
Die folgende Grafik zeigt alle sieben Pflichtbereiche auf einen Blick.

Die 7 Compliance-Bereiche für Shopify-Händler im DACH-Raum – jeder Bereich ist eigenständig prüfbar und erfordert konkrete Maßnahmen im Shop. Quelle: eigene Darstellung
Was bedeutet Shop Compliance?
Shop Compliance bezeichnet die Einhaltung aller gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben, die für den Betrieb eines Online-Shops gelten. Dazu gehören Datenschutzrecht, Informationspflichten, Produktsicherheit, Umweltgesetze und Verbraucherschutzregelungen. Ein rechtskonformer Shop schützt dich vor Abmahnungen, Bußgeldern und Reputationsschäden.
Für Shopify-Händler gilt: Shopify liefert die technische Infrastruktur und schließt den Auftragsverarbeitungsvertrag für die Datenhaltung automatisch ab. Alle inhaltlichen Pflichten (Rechtstexte, Produktangaben, Consent-Management) bleiben deine Verantwortung.
Pflichtbereich 1: Rechtstexte und Informationspflichten
Jeder Online-Shop in Deutschland braucht vier Kerndokumente, die jederzeit erreichbar sein müssen.
Impressum nach § 5 DDG (Digitale-Dienste-Gesetz, seit 2024 Nachfolger des TMG): vollständiger Unternehmensname, ladungsfähige Anschrift, E-Mail-Adresse, Handelsregisternummer falls vorhanden, Umsatzsteuer-ID, verantwortliche Person. Das Impressum muss direkt aus der Navigation oder dem Footer erreichbar sein, idealerweise in maximal zwei Klicks.
Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB): nicht gesetzlich zwingend, aber ohne AGB gelten automatisch die gesetzlichen Regelungen, was oft ungünstiger ist. AGB müssen vor dem Kauf klar sichtbar sein und aktiv bestätigt werden.
Datenschutzerklärung: vollständig, aktuell, für alle genutzten Dienste (Shopify, Meta Pixel, Google Analytics, Newsletter-Tools). Bei Änderungen an verwendeten Diensten muss die Erklärung sofort angepasst werden.
Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular: Verbraucher haben 14 Tage Widerrufsrecht. Die Belehrung muss klar und verständlich sein, das Formular muss beiliegen oder downloadbar sein.
Tipp für Shopify: Spezialisierte App-Anbieter wie IT-Recht Kanzlei oder Händlerbund pflegen die Rechtstexte automatisch per API und aktualisieren sie bei Gesetzesänderungen.
Pflichtbereich 2: DSGVO und Cookie-Consent
Die Datenschutz-Grundverordnung gilt für jeden Shop, der personenbezogene Daten von EU-Bürgern verarbeitet.
Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV): Mit Shopify ist dieser automatisch über die Nutzungsbedingungen abgedeckt. Mit allen anderen Diensten (E-Mail-Marketing, Analytics, Bewertungstools) musst du ihn separat schließen.
Consent-Management: Vor dem Setzen nicht notwendiger Cookies (Tracking, Marketing, Analytics) muss eine informierte Einwilligung eingeholt werden. Ein einfaches Cookie-Banner ohne echte Opt-in-Möglichkeit reicht nicht. Die Shopify Customer Privacy API ermöglicht es Apps, Consent korrekt abzufragen.
Drittanbieter-Skripte: Meta Pixel, Google Analytics, TikTok Pixel und ähnliche Dienste dürfen erst nach Consent aktiv werden. Die Einbindung ohne Consent-Gate ist einer der häufigsten DSGVO-Fehler im Shopify-Umfeld.
Löschanfragen: Du musst Prozesse etablieren, um Anfragen zur Datenlöschung (Art. 17 DSGVO) innerhalb von 30 Tagen bearbeiten zu können.
Pflichtbereich 3: Produktsicherheit (GPSR)
Die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) gilt seit dem 13. Dezember 2024 für alle Non-Food-Verbraucherprodukte.
Pflichtangaben auf der Produktseite: Name und Postanschrift des Herstellers, eindeutige Produktkennung (Modell- oder Chargennummer), Sicherheits- und Warnhinweise auf Deutsch. Diese Angaben müssen direkt auf der Produktseite sichtbar sein, nicht nur in einem PDF im Footer.
EU-Verantwortlicher: Wer Produkte aus Drittländern importiert, braucht einen benannten Wirtschaftsakteur mit Sitz in der EU. Ohne diesen Nachweis darf das Produkt nicht auf den Markt.
Sicherheitshinweise: Bei Produkten mit Altersbeschränkung, besonderen Verwendungsrisiken oder spezifischen Zielgruppen (Kinder, Senioren) sind zusätzliche Hinweise vorgeschrieben.
ShopCompliance automatisiert die Pflichtangaben-Ausgabe auf Produktseiten ohne Theme-Eingriffe. Einen detaillierten GPSR-Leitfaden findest du bei gpsrpro.com.
Pflichtbereich 4: Elektrogesetz und WEEE-Registrierung
Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) betrifft jeden Shop, der Elektrogeräte oder Zubehör mit elektrischen Komponenten verkauft.
Registrierungspflicht: Jeder Hersteller und Importeur von Elektrogeräten muss sich bei der Stiftung EAR (Elektro-Altgeräte Register) registrieren und eine WEEE-Registrierungsnummer (WEEE-Reg.-Nr. DE) erhalten. Ohne diese Nummer dürfen betroffene Produkte nicht vertrieben werden.
Hinweispflichten: Die WEEE-Nummer und das Rücknahme-Symbol (durchgestrichene Mülltonne) müssen sichtbar auf der Produktseite erscheinen, nicht nur im Impressum oder in einem FAQ-Bereich.
ElektroG4 ab 01.01.2026: Die neue Version verschärft die Anzeigeregeln. Informationen zu Rücknahme und Entsorgung müssen konsistent auf Produktseiten, im Footer, in FAQ und im Checkout erscheinen. Widersprüchliche Angaben in verschiedenen Templates können als Verstoß gewertet werden.
Rücknahmepflicht: Händler mit mehr als 400 m² Verkaufsfläche (online gilt ein äquivalenter Schwellenwert) müssen eine Rücknahme anbieten.
Die Beantragung der WEEE-Nummer beim EAR-Portal dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du in unserem separaten Artikel zur WEEE-Nummer beantragen.
Pflichtbereich 5: Verpackungsgesetz
Das Verpackungsgesetz verpflichtet Erstinverkehrbringer von Versandverpackungen zur Registrierung und Lizenzierung.
LUCID-Registrierung: Im Verpackungsregister LUCID musst du dich registrieren, bevor du zum ersten Mal Verpackungen in Verkehr bringst. Die Registrierung ist kostenlos, die Lizenzierung (Beteiligung an einem Dualen System) kostenpflichtig.
Lizenzierungspflicht: Für alle Verpackungen, die beim Verbraucher als Abfall anfallen (Versandkartons, Füllmaterial, Klebeband, Inlays), musst du eine Lizenz bei einem Dualen System erwerben. Die Kosten richten sich nach Material und Menge.
PPWR ab August 2026: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt ab dem 12. August 2026 neue Anforderungen: Dokumentationspflichten für die verwendeten Verpackungsmaterialien, Nachweise für Recyclingfähigkeit und strengere Regeln für Mehrweg-Angebote.
Das Verpackungsregister LUCID ist die zentrale Anlaufstelle für die Registrierung – der folgende Screenshot zeigt die Startseite des Portals.

Das LUCID-Portal bietet Händlern direkten Zugang zu Registrierung, Mengenmeldung und Orientierung zur Systembeteiligung. Quelle: verpackungsregister.org
Pflichtbereich 6: Preisangaben und Omnibus-Richtlinie
Falsche oder intransparente Preisangaben sind einer der häufigsten Abmahnungsgründe im deutschen E-Commerce.
Grundpreisangabe: Für alle Produkte, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft werden, ist der Grundpreis pro Mengeneinheit verpflichtend.
Omnibus-Richtlinie (30-Tage-Tiefstpreis): Bei jeder Rabattaktion muss der niedrigste Preis der letzten 30 Tage als Referenzpreis angegeben werden. Durchgestrichene Preise ohne diesen Nachweis sind unzulässig.
Versandkosten: Müssen vor dem Checkout klar ausgewiesen sein: spätestens auf der Produktseite oder in einer gut sichtbaren Versandkostenübersicht.
Pflichtbereich 7: Barrierefreiheit (BFSG)
Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für nahezu alle B2C-Webshops in Deutschland.
Was gefordert wird: Dein Shop muss für Menschen mit Behinderungen nutzbar sein. Das umfasst ausreichende Farbkontraste, Tastaturnavigation, Alt-Texte für Bilder, skalierbare Schriftgrößen und barrierefrei nutzbare Formulare (WCAG 2.1 Level AA).
Barrierefreiheitserklärung: Eine öffentlich zugängliche Erklärung über den Barrierefreiheitsstatus deines Shops muss im Footer verlinkt sein, idealerweise neben Impressum und Datenschutz.
Sanktionen: Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro belegt werden. Außerdem können Mitbewerber abmahnen.
Ausnahme für Kleinstunternehmen: Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz unter zwei Millionen Euro sind von den meisten technischen Anforderungen ausgenommen, müssen aber trotzdem die Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen.
Neue Fristen 2026 auf einen Blick
| Datum | Regelung | Was du tun musst |
|---|---|---|
| 01.01.2026 | ElektroG4 | WEEE-Hinweise konsistent auf allen Seiten prüfen |
| 19.06.2026 | Widerrufsbutton | Elektronischen Widerrufsweg im Kundenkonto einrichten |
| 31.07.2026 | Recht auf Reparatur | Reparaturinfos pro Produktkategorie veröffentlichen |
| 12.08.2026 | PPWR | Verpackungsdokumentation aufbauen |
| 27.09.2026 | Gewährleistungslabel | Standardisiertes Label auf Produktseiten einbinden |
| 09.12.2026 | Produkthaftung (neu) | Produktbeschreibungen mit Versionierung und Datum |
So setzt du die Pflichten in Shopify um
ShopCompliance ist die Shopify-App, die alle relevanten EU-Compliance-Pflichten zentral verwaltet und automatisch auf Produktseiten ausgibt – ohne Theme-Eingriffe.

ShopCompliance deckt GPSR, PPWR, Green Claims, Barrierefreiheit und weitere Pflichten ab – der integrierte Compliance-Check ermittelt deinen individuellen Handlungsbedarf. Quelle: shopcompliance.net
Shopify bietet keine eingebaute Lösung für die deutschen Compliance-Anforderungen. Es gibt drei Wege:
Apps: Der einfachste Weg für die meisten Pflichten. Für Rechtstexte (AGB, Impressum, Datenschutz) eignen sich Apps von IT-Recht Kanzlei oder Händlerbund mit automatischer Aktualisierung. Für GPSR und WEEE-Hinweise übernimmt ShopCompliance die strukturierte Erfassung und automatische Ausgabe der Pflichtangaben auf Produktseiten, ohne dass du das Theme anfassen musst.
Theme-Anpassungen: Bei speziellen Anforderungen oder eigenem Entwicklerteam möglich, aber wartungsintensiv, weil jedes Theme-Update die Änderungen überschreiben kann.
Manuelle Pflege: Funktioniert bei kleinem Sortiment, wird aber schnell fehleranfällig, sobald sich Gesetze ändern oder neue Produkte hinzukommen.
Checkliste: Compliance Online Shop
Nutze diese Übersicht, um den Status deines Shops zu prüfen. Geh jeden Bereich durch und notiere, was noch fehlt.
Rechtstexte
- Impressum nach DDG §5 vollständig und erreichbar
- AGB vorhanden und vor dem Kauf einsehbar
- Datenschutzerklärung aktuell und vollständig
- Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular vorhanden
DSGVO und Datenschutz
- AVV mit allen Dienstleistern geschlossen
- Consent-Banner mit echter Opt-in-Funktion aktiv
- Drittanbieter-Skripte laden erst nach Consent
- Prozess für Löschanfragen etabliert
Produktsicherheit (GPSR)
- Hersteller-Name und Anschrift auf allen betroffenen Produktseiten
- Eindeutige Produktkennung vorhanden
- EU-Verantwortlicher für Importprodukte benannt
- Sicherheitshinweise auf Deutsch sichtbar
Elektrogesetz (WEEE)
- WEEE-Registrierungsnummer beantragt und erhalten
- Rücknahme-Symbol auf Produktseiten
- WEEE-Nummer sichtbar angezeigt
- Rücknahme- und Entsorgungshinweise konsistent auf allen Seiten
Verpackungsgesetz
- Bei LUCID registriert
- Lizenz bei einem Dualen System erworben
- Verpackungsmaterialien dokumentiert (PPWR-Vorbereitung)
Preisangaben
- Grundpreis für Mengenprodukte vorhanden
- 30-Tage-Tiefstpreis bei Rabatten ausgewiesen
- Versandkosten vor dem Checkout sichtbar
Barrierefreiheit
- Barrierefreiheitserklärung im Footer verlinkt
- Farbkontraste WCAG 2.1 AA-konform
- Alt-Texte für alle Bilder vorhanden
- Formulare barrierefrei (Tastaturnavigation)
Neue 2026-Fristen
- Widerrufsbutton bis 19.06.2026 eingebunden
- Gewährleistungslabel bis 27.09.2026 auf Produktseiten
- Verpackungsdokumentation für PPWR aufgebaut
Häufige Fragen
Welche Pflichten gelten nur für bestimmte Produktkategorien?
Das Elektrogesetz (WEEE) gilt nur für Produkte, die Strom verbrauchen oder Batterien enthalten. Die GPSR gilt für alle Non-Food-Verbraucherprodukte, aber Lebensmittel, Arzneimittel und bestimmte Sonderkategorien haben eigene Regelwerke. Das Verpackungsgesetz gilt für alle Händler, die Versandverpackungen verwenden, also nahezu jeden Online-Shop.
Was passiert bei Verstößen?
Die Konsequenzen reichen von Abmahnungen durch Mitbewerber oder Verbraucherschutzverbände über Bußgelder der Behörden bis zur Untersagung des Verkaufs betroffener Produkte. DSGVO-Verstöße können mit bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. BFSG-Verstöße kosten bis zu 100.000 Euro.
Muss ich für die Umsetzung einen Rechtsanwalt beauftragen?
Für die Grundausstattung (Rechtstexte, Datenschutzerklärung) reichen spezialisierte App-Anbieter mit automatischen Updates in vielen Fällen aus. Bei komplexeren Sortimenten, Eigenmarken, Importprodukten oder Expansionsplänen ins EU-Ausland empfiehlt sich juristischer Rat. Für GPSR, WEEE und Verpackungsgesetz sind technische Lösungen wie ShopCompliance sinnvoll, um die Pflichtangaben skalierbar umzusetzen.
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Module & Preise ansehenDieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall wende dich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.