Digitaler Produktpass (DPP): Was Shops ab 2026 vorbereiten müssen
Der Digitale Produktpass (DPP) ist eines der größten regulatorischen Vorhaben der EU für den Handel der nächsten Jahre. Erste Kategorien werden ab Februar 2027 verpflichtend, doch die Vorbereitung muss 2026 beginnen: Datenstrukturen aufbauen, Lieferanten einbinden, technische Systeme anpassen. Dieser Artikel erklärt, was der DPP ist, welche Produkte zuerst betroffen sind und welche konkreten Schritte Shopbetreiber jetzt einleiten sollten.
Was ist der Digitale Produktpass?
Der Digitale Produktpass ist eine digitale Produktakte, die strukturierte Informationen über ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg zugänglich macht. Er begleitet das Produkt von der Herstellung über den Verkauf und die Nutzung bis zur Entsorgung und enthält Daten, die für Verbraucher, Händler, Recycler und Behörden relevant sind.
Der Zugriff erfolgt typischerweise über einen QR-Code auf dem Produkt oder der Verpackung, der auf einen zentralen Datensatz im EU-Registry verweist. Ab Mitte 2026 geht das EU-Zentralregister für DPP-Daten offiziell in Betrieb.
Rechtsgrundlage: Der DPP basiert auf der EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR, Verordnung 2024/1781). Sie ermächtigt die EU-Kommission, per delegierten Rechtsakten für einzelne Produktkategorien spezifische DPP-Anforderungen festzulegen.
Der folgende Screenshot zeigt den offiziellen EUR-Lex-Eintrag der ESPR-Verordnung – der rechtlichen Grundlage des DPP.

Die Verordnung (EU) 2024/1781 des Europäischen Parlaments und des Rates ist seit dem 18. Juli 2024 in Kraft. Sie ist im EUR-Lex-Portal der EU öffentlich abrufbar. Quelle: eur-lex.europa.eu
Welche Daten enthält der DPP?
Der konkrete Datenumfang hängt von der Produktkategorie ab, aber ein gemeinsamer Datenkern ist für alle Kategorien vorgesehen:
Produktidentifikation
- Eindeutige Produkt-ID und Seriennummer
- Hersteller und verantwortliche Stelle in der EU
- Ursprungsland und Herstellungsort
Materialien und Zusammensetzung
- Materialzusammensetzung (Faserarten und Anteile bei Textilien)
- Herkunft der Rohstoffe
- Verwendete Chemikalien
Nachhaltigkeit und Umwelt
- CO2-Fußabdruck
- Wasserverbrauch in der Herstellung
- Recyclingfähigkeit und Recyclatanteil
- Energieverbrauch
Reparatur und Kreislaufwirtschaft
- Ersatzteilverfügbarkeit
- Reparierbarkeitsindex
- Demontageanleitungen
- Entsorgungshinweise
Compliance und Zertifikate
- Konformitätsnachweise
- Prüfberichte und Zertifikate
- Sicherheitsinformationen
Der Einführungszeitplan ist gestaffelt – die folgende Grafik zeigt, welche Kategorien wann betroffen sind.

Rollout des Digitalen Produktpasses nach Produktkategorie – Batterien als erste Pflicht ab Februar 2027, danach gestaffelt bis 2032. Ein DPP-Projekt dauert erfahrungsgemäß 6 bis 12 Monate. Quelle: EU-ESPR-Verordnung 2024/1781, eigene Darstellung
Zeitplan: Welche Produkte sind ab wann betroffen?
Die Einführung erfolgt gestaffelt nach Produktkategorien. Die wichtigsten Meilensteine:
| Kategorie | Delegierter Rechtsakt | Pflicht ab |
|---|---|---|
| Batterien (Industrie, Fahrzeuge) | bereits verabschiedet | 18. Februar 2027 |
| Eisen und Stahl | 2026 geplant | ca. 2027/2028 |
| Textilien und Bekleidung | Q2 2027 geplant | ca. Ende 2028/2029 |
| Möbel | 2028 | ca. 2029/2030 |
| Mobilgeräte und Tablets | 2030 | ca. 2031/2032 |
| Spielzeug | per Produktsicherheits-VO | 01. August 2030 |
Wichtige Faustregel: Zwischen der Verabschiedung eines delegierten Rechtsakts und dem Stichtag liegen in der Regel 18 Monate. Wer erst nach Verabschiedung mit der Vorbereitung beginnt, hat kaum noch Zeit.
Was ab Juli 2026 gilt: Das EU-Zentralregister geht in Betrieb. Große Modehändler unterliegen ab diesem Datum einem Vernichtungsverbot für zurückgegebene Textilien.
Wer ist betroffen? Auch kleine Online-Händler
Anders als bei einigen anderen EU-Regelungen gibt es beim DPP keine Ausnahmen für KMU. Sobald eine DPP-Pflicht für eine Produktkategorie gilt, müssen alle Händler, die diese Produkte in der EU anbieten, sicherstellen, dass ein gültiger Produktpass vorhanden und zugänglich ist.
Das bedeutet konkret:
Hersteller und Eigenmarken-Anbieter: Du bist für die Erstellung und Pflege des DPP verantwortlich. Du musst die Daten erheben, strukturieren, im Registry hinterlegen und den QR-Code auf Produkt oder Verpackung anbringen.
Importeure aus Drittländern: Du trägst die Verantwortung, wenn der Hersteller außerhalb der EU sitzt und keinen DPP erstellt hat. In diesem Fall bist du der “Verantwortliche in der EU” und musst den Pass selbst erstellen oder beauftragen.
Wiederverkäufer und Händler: Du musst vor dem Verkauf prüfen, ob ein gültiger DPP für das Produkt existiert. Du darfst Produkte ohne DPP nicht mehr vertreiben, sobald die Pflicht für die Kategorie gilt.
Was Online-Shops jetzt konkret tun sollten
2026 ist das entscheidende Vorbereitungsjahr. Ein DPP-Projekt dauert erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Monate, wenn Datenlücken erst geschlossen werden müssen.
Schritt 1: Bestandsaufnahme der Produktkategorien
Analysiere, welche deiner Produktkategorien wann betroffen sein werden. Verkaufst du Batterien, Ladegeräte oder Elektrofahrzeugzubehör? Dann hast du bis Februar 2027 Pflichten. Bist du im Textilbereich aktiv? Dann beginnt die aktive Vorbereitung jetzt.
Schritt 2: Datenaudit
Welche Produktdaten hast du bereits erfasst? Typische Lücken sind Materialzusammensetzungen, Lieferantenherkunft und Recyclinginformationen. Prüfe dein ERP-System, dein PIM (Product Information Management) und die Daten deiner Lieferanten.
Schritt 3: Lieferanten einbinden
Der DPP ist nur so gut wie die Daten, die deine Lieferanten liefern. Fange frühzeitig an, von deinen Lieferanten strukturierte Produktdaten anzufordern. Viele Hersteller befinden sich selbst noch in der Vorbereitung, daher je früher der Dialog beginnt, desto besser.
Schritt 4: Technische Infrastruktur planen
Shopify und andere E-Commerce-Systeme sind keine DPP-Plattformen. Sie können DPP-Links anzeigen und QR-Codes ausspielen, aber die Datenhaltung und Versionierung gehört in ein spezialisiertes DPP-System oder eine Plattform, die am EU-Registry angebunden ist.
Plane, welche Systeme du für die Datenpflege und den Registry-Zugang nutzen wirst. Für kleinere Händler können Dienstleister oder App-Plattformen diese Funktion übernehmen.
Schritt 5: Pilotprojekt mit einer Produktgruppe starten
Warte nicht, bis alle Anforderungen für alle Kategorien feststehen. Starte einen Piloten mit deiner ersten betroffenen Produktgruppe. Das gibt dir praktische Erfahrungen mit Datenerhebung, technischer Umsetzung und Lieferantenkommunikation, bevor der Stichtag näher rückt.
DPP und dein Shopify-Shop: Was sich konkret ändern wird
ShopCompliance bereitet Online-Händler auf die DPP-Anforderungen vor – mit Modulen für die strukturierte Datenpflege und die automatische Ausgabe von DPP-Links auf Produktseiten ohne Theme-Code.

ShopCompliance übernimmt für Shopify-Händler die technische Ausgabe von Compliance-Pflichtangaben – einschließlich zukünftiger DPP-Anforderungen, sobald die jeweiligen Kategorien verpflichtend werden. Quelle: shopcompliance.net
Auf der Ebene des Shopify-Shops werden folgende Änderungen erforderlich:
Produktseite: Ein Link oder ein QR-Code, der zum digitalen Produktpass führt, muss klar sichtbar vor dem Kauf zugänglich sein. Dies kann über eine Metafeld-Integration oder eine App-Lösung umgesetzt werden.
Datenpflege: Pro Produkt (oder Produktvariante) muss eine DPP-ID hinterlegt werden, die auf den Registry-Eintrag verweist. Bei großen Sortimenten ist eine automatisierte Pflege über PIM-Schnittstellen sinnvoll.
Prüfprozess vor dem Anbieten: Bevor du ein neues Produkt listst, muss der DPP existieren und vollständig sein. Das bedeutet einen neuen Schritt im Onboarding-Prozess für Produkte.
dpp eu: Die EU-weite Dimension
Der Digitale Produktpass gilt einheitlich in der gesamten EU. Wer in mehrere EU-Länder verkauft, profitiert davon, dass ein einziger DPP-Eintrag für alle Märkte gilt. Allerdings müssen mehrsprachige Informationen bereitgestellt werden, wenn Produkte in verschiedenen Sprachen vermarktet werden.
Die EU-Kommission hat eine zentrale europäische Registrierungsinfrastruktur (European Product Registry for Energy Labelling, EPREL) aufgebaut, die als Basis für das DPP-Registry dienen wird. Technische Standards (GS1-Digital-Link, EPCIS) sind im Entstehen, einige sind noch in der Abstimmungsphase.
Häufige Fragen zum Digitalen Produktpass
Gilt der DPP auch für gebrauchte Produkte?
Ja. Der DPP soll den gesamten Produktlebenszyklus abbilden. Bei Wiederverkauf von Gebrauchtprodukten muss der bestehende DPP aktualisiert oder zumindest zugänglich gemacht werden. Die genauen Anforderungen werden per delegierten Rechtsakten für jede Kategorie festgelegt.
Was passiert, wenn ein Produkt keinen DPP hat, aber die Pflicht gilt?
Das Produkt darf in der EU nicht mehr angeboten oder verkauft werden. Händler, die Produkte ohne vorgeschriebenen DPP vertreiben, riskieren Bußgelder und müssen Produkte vom Markt nehmen.
Muss ich als kleiner Händler den DPP selbst erstellen?
Wenn du Eigenmarkenprodukte oder Importware aus Drittländern verkaufst, ja. Wenn du Produkte von EU-Herstellern weiterverkaufst, ist der Hersteller für den DPP zuständig. Du musst aber sicherstellen, dass ein gültiger Pass vorliegt, bevor du das Produkt anbietest.
Wann wird der DPP für Elektronikartikel Pflicht?
Der delegierte Rechtsakt für Mobilgeräte und Tablets ist für 2030 geplant, der für Elektrogeräte (wie Kühlschränke, Waschmaschinen) für 2028. Für kleinere Elektronikartikel und IT-Zubehör liegen die Daten noch nicht fest. Wer Batterien oder Ladegeräte verkauft, sollte sich auf den Stichtag 18. Februar 2027 für den Batterie-DPP konzentrieren.
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