Grundpreisangabe richtig berechnen (mit Ausnahmen)
Die Grundpreisangabe ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben: Wer als Händler Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft, muss den Preis je Mengeneinheit gut lesbar neben dem Gesamtpreis anzeigen. Was genau der Grundpreis ist, wie du ihn korrekt berechnest, welche Produkte ausgenommen sind und wie du das Ganze in deinem Shopify-Shop umsetzt, zeigt dieser Leitfaden.
Was ist ein Grundpreis?
Der Grundpreis ist der Preis je Mengeneinheit einer Ware, einschließlich Umsatzsteuer und aller sonstigen Preisbestandteile. Die rechtliche Grundlage bildet § 4 Absatz 1 der Preisangabenverordnung (PAngV). Als Mengeneinheit gelten:
- 1 Kilogramm (kg) oder Liter (L) bei Gewichts- und Volumenware
- 1 Kubikmeter (m³) bei Rauminhalt
- 1 Quadratmeter (m²) bei Flächenware
- 1 Meter (m) bei Längenware
Seit der Umsetzung der EU-Omnibus-Richtlinie am 28. Mai 2022 gilt diese Standardisierung ausnahmslos: Die frühere Ausnahme, bei Produkten unter 250 g oder 250 ml alternativ den Preis pro 100 g oder 100 ml anzugeben, wurde abgeschafft. Seitdem ist immer der Preis pro 1 kg oder 1 L anzugeben, unabhängig von der Packungsgröße.
Grundpreis berechnen: Formel und Beispiele
Die Formel ist unkompliziert:
Grundpreis = (Gesamtpreis / Füllmenge) x Mengeneinheit
Füllmenge und Mengeneinheit müssen dabei in derselben Einheit sein. Für ein Produkt in Gramm rechnest du auf Kilogramm hoch, für Milliliter auf Liter.

Die Grundpreisformel in drei Schritten – anwendbar für alle nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauften Produkte.
Berechnungsbeispiele
Joghurt 500 g, Verkaufspreis 1,99 Euro: Grundpreis = 1,99 Euro / 500 g x 1.000 g = 3,98 Euro/kg
Olivenöl 750 ml, Verkaufspreis 8,99 Euro: Grundpreis = 8,99 Euro / 750 ml x 1.000 ml = 11,99 Euro/L
Shampoo 250 ml, Verkaufspreis 4,49 Euro: Grundpreis = 4,49 Euro / 250 ml x 1.000 ml = 17,96 Euro/L
Baumwollstoff 2,5 m, Verkaufspreis 12,50 Euro: Grundpreis = 12,50 Euro / 2,5 m = 5,00 Euro/m
Sonderfall: Abtropfgewicht bei Konserven
Bei Konserven und Gläsern mit flüssigem Inhalt gilt das Abtropfgewicht als Berechnungsbasis, nicht das Gesamtgewicht. Eine Thunfischdose mit 185 g Inhalt und 130 g Abtropfgewicht bekommt also einen Grundpreis auf Basis von 130 g.
Sonderfall: Nahrungsergänzungsmittel und Kapseln
Auch wenn Nahrungsergänzungsmittel nach Stückzahl verkauft werden (50 Kapseln, 90 Tabletten), gilt die Gewichtseinheit als Berechnungsbasis. Der Grundpreis ist pro Kilogramm anzugeben, nicht pro Kapsel oder Tablette. Für Proteinpulver in einer 1.000-g-Dose lautet der Grundpreis entsprechend pro Kilogramm.
Sonderfall: Waschmittel und Reinigungsmittel
Bei portionierten Waschmitteln wie Tabs oder Kapseln darf statt des Gewichts-Grundpreises die Anzahl der Anwendungen (Portionen) angegeben werden. Das ist eine der wenigen anerkannten Ausnahmen.
Wer muss Grundpreise angeben?
Die Pflicht zur Angabe des Grundpreises trifft jeden Gewerbetreibenden, der grundpreispflichtige Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche an Verbraucher verkauft. Das gilt für Online-Shops auf Shopify, WooCommerce oder anderen Systemen, für stationäre Händler und für Verkäufer auf Marktplätzen wie Amazon oder eBay.
Ausgenommen sind rein geschäftliche Transaktionen im B2B-Bereich. Wer ausschließlich an andere Unternehmen verkauft, muss keinen Grundpreis ausweisen. Für Kleinstbetriebe mit Bedienungstheke, also Hofläden, Kioske oder Winzer im Direktverkauf, gelten vereinfachte Regeln.
Welche Produkte benötigen eine Grundpreisangabe?
Grundpreisangabe ist Pflicht bei Waren, die nach folgenden Maßen verkauft werden:
- Gewicht: Kaffeebohnen, Nüsse, Wurst, Käse, Kosmetikprodukte mit Grammangabe
- Volumen: Säfte, Speiseöle, Reinigungsmittel, Parfüms mit Milliliter- oder Literangabe
- Länge: Kabel ohne Stecker, Stoffe, Seile, Schläuche mit Meterangabe
- Fläche: Teppiche, Bodenfliesen, Schutzfolien mit Quadratmeterangabe
Die Pflicht gilt unabhängig davon, ob Ware in Fertigverpackungen, offenen Verpackungen oder als lose Verkaufseinheit angeboten wird. Bei Kabeln ohne Stecker ist der Grundpreis pro Meter zwingend. Bei Kabeln mit Steckern ist die Rechtslage noch nicht abschließend geklärt, aus Vorsichtsgründen empfiehlt sich die Angabe jedoch.
Grundpreis Ausnahmen: Diese Produkte sind befreit
Nicht jedes Produkt fällt unter die Grundpreispflicht. Die vollständige Liste der Ausnahmen nach PAngV:

Die sechs häufigsten Ausnahmen im Überblick – die vollständige Liste mit Grenzwerten steht in der Tabelle darunter.
| Ausnahme | Erläuterung |
|---|---|
| Grundpreis = Gesamtpreis | Wenn Preis je Einheit und Gesamtpreis identisch sind, entfällt die separate Ausweisung |
| Produkte unter 10 g oder 10 ml | Sehr kleine Einheiten (z. B. Gewürzsäckchen, Mini-Probenpackungen) |
| Sets aus verschiedenartigen Produkten | Geschenksets, bei denen die Einzelbestandteile nicht gleichartig sind (z. B. Käse mit Messer) |
| Leicht verderbliche Lebensmittel mit Preissenkung | Preisreduzierungen kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums |
| Portionierte Waschmittel und Reiniger | Tabs, Kapseln, Pods mit Portionsangabe statt Grundpreis |
| Kauenden Tabak und Schnupftabak bis 25 g | Gilt nur bis zur Packungsgröße von 25 g |
| Dekorative Kosmetika | Ausschließlich Färbungs- und Verschönerungsprodukte (Lippenstift, Mascara), nicht Pflegeprodukte |
| Parfüms mit mind. 3 % Duftöl und 70 % Ethylalkohol | Klassische Parfüms nach gesetzlich definierten Kriterien |
| Gastronomische Einzelgetränke | Standardportionen in Restaurant, Kantine, Imbiss |
| Automatenware | Produkte, die ausschließlich über Automaten abgegeben werden |
| Kleinstbetriebe mit Bedienungstheke | Hofläden, Kioske, Winzer und Direktvermarkter im Vor-Ort-Verkauf |
Die Ausnahmen gelten eng ausgelegt. Die Kosmetik-Ausnahme greift zum Beispiel nicht bei Feuchtigkeitscreme, Duschgel oder Sonnenschutzmittel. Diese Pflegeprodukte benötigen weiterhin einen Grundpreis.
Anzeigepflichten: Wo und wie der Grundpreis erscheinen muss
Die PAngV schreibt drei Mindestanforderungen vor:
Unmittelbare Nähe zum Gesamtpreis. Beide Werte müssen gleichzeitig sichtbar sein, ohne Scrollen oder Klicken. Ein Grundpreis, der nur auf einer separaten Unterseite auftaucht oder in einem Tooltip versteckt ist, erfüllt die Anforderung nicht.
Klar erkennbar und gut lesbar. Die Schriftgröße muss ausreichend sein. Eine deutlich kleinere Schrift als beim Gesamtpreis ist zulässig, aber nicht so klein, dass sie schwer lesbar wird.
Keine optische Hervorhebung. Der Grundpreis darf nicht größer oder auffälliger sein als der Gesamtpreis, da das Verbraucher in die Irre führen würde.
Zulässige Formate sind: “3,98 Euro/kg”, “11,99 Euro/L” oder “5,00 Euro/m”. Schreibweisen wie “pro kg” oder “/kg” sind gleichermaßen akzeptiert.
Grundpreis im Checkout: Keine Wiederholungspflicht
Der Grundpreis muss nur dort angezeigt werden, wo das Produkt angeboten wird: auf der Produktdetailseite und in Produktlisten. Im Warenkorb und Checkout besteht keine gesetzliche Pflicht zur Wiederholung, solange der Grundpreis zuvor korrekt angezeigt wurde. Das LG Heilbronn hat zudem bestätigt, dass der Grundpreis anzugeben ist, auch wenn Kunden ihn leicht selbst errechnen könnten.
Grundpreisangabe in Shopify einrichten
Shopify bietet eine native “Unit Pricing”-Funktion, die du direkt im Produkteditor aktivieren kannst.

Die native Unit-Pricing-Funktion von Shopify deckt die gesetzliche Grundpreispflicht ab – ohne Plugin oder Code-Eingriff.
Schritt 1: Öffne ein Produkt im Shopify-Admin unter “Produkte”.
Schritt 2: Scrolle zum Bereich “Varianten” und wähle die gewünschte Variante aus.
Schritt 3: Aktiviere “Unit pricing” und trage die Referenzmenge ein (zum Beispiel 1) sowie die Einheit (kg, L, m oder andere).
Schritt 4: Shopify berechnet den Grundpreis automatisch und zeigt ihn im Theme neben dem Gesamtpreis an.
Prüfe nach der Einrichtung in einer echten Produktvorschau, ob die Anzeige die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Bei manchen Themes ist die Darstellung zu klein oder nicht direkt neben dem Gesamtpreis positioniert. In diesem Fall ist eine Liquid-Anpassung im Theme-Code erforderlich. shopcompliance.net übernimmt die Einrichtung, Prüfung und laufende Aktualisierung automatisch, ohne manuelle Code-Eingriffe.
Häufige Fehler bei der Grundpreisangabe
“Grundpreis ab” ist rechtswidrig. Jede Produktvariante braucht ihren eigenen konkreten Grundpreis. Die Angabe “Grundpreis ab 3,99 Euro/kg” reicht nicht.
100 g oder 100 ml als Basiseinheit gilt nicht mehr. Seit Mai 2022 ist bei allen Produkten der Grundpreis pro 1 kg oder 1 L anzugeben, auch bei kleinen Packungsgrößen. Shops, die noch mit 100 g oder 100 ml arbeiten, verstoßen gegen die aktuelle PAngV.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln reicht Stückpreis nicht. Auch wenn du 60 Kapseln je 500 mg verkaufst, musst du den Grundpreis pro Kilogramm ausweisen.
Fehlende Grundpreisanpassung bei Varianten. Wenn ein Produkt in mehreren Größen verfügbar ist (200 g, 500 g, 1.000 g), benötigt jede Variante einen eigenen, korrekt berechneten Grundpreis.
Grundpreis fehlt in Kategorieseiten und Suchergebnissen. Die Pflicht gilt nicht nur auf der Produktdetailseite, sondern auch in Produktlisten.
Verstöße gegen die Grundpreisangabepflicht gehören zu den häufigsten Abmahngründen im deutschen E-Commerce. Abmahnkosten liegen typischerweise zwischen 200 und 1.500 Euro, hinzu kommen strafbewehrte Unterlassungserklärungen, deren Verletzung Vertragsstrafen im vier- bis fünfstelligen Bereich nach sich ziehen kann.
Häufige Fragen zur Grundpreisangabe
Muss ich den Grundpreis auch bei günstigen Produkten angeben?
Ja, der Verkaufspreis ist kein Ausnahmekriterium. Auch Produkte für 1 Euro oder weniger benötigen eine Grundpreisangabe, sofern sie unter die Grundpreispflicht fallen.
Was gilt für Produkte unter 250 g: 100 g oder 1 kg?
Seit der Omnibus-Richtlinie im Mai 2022 gilt für alle Produkte 1 kg, unabhängig von der Packungsgröße. Die frühere Ausnahme für kleine Verpackungen wurde abgeschafft.
Ist der Grundpreis im Warenkorb Pflicht?
Nein, die Grundpreisangabe ist nur dort erforderlich, wo das Produkt angeboten wird, also auf der Produktseite und in Produktlisten. Im Checkout muss er nicht wiederholt werden.
Welche Strafe droht bei fehlender Grundpreisangabe?
Wettbewerbsrechtliche Abmahnungen mit Kosten von 200 bis 1.500 Euro sind die häufigste Konsequenz. Strafbewehrte Unterlassungserklärungen, die bei Verstößen Vertragsstrafen im vier- bis fünfstelligen Bereich auslösen, kommen hinzu.
Muss der Grundpreis auch in Werbeanzeigen erscheinen?
Ja, die Grundpreispflicht gilt für alle kommerziellen Produktangebote, auch in Google Shopping, Meta-Werbeanzeigen und Produktlisten auf Marktplätzen.
Was ist der Unterschied zwischen Grundpreis und Gesamtpreis?
Der Gesamtpreis ist der tatsächliche Kaufpreis (z. B. 4,49 Euro für ein Shampoo 250 ml). Der Grundpreis gibt den Preis pro Standardeinheit an (z. B. 17,96 Euro/L). Nur wenn beide Werte identisch sind, entfällt die separate Ausweisung des Grundpreises.
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