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Preisangabenverordnung (PAngV) im Online-Shop richtig anwenden

11. Juni 2026 · Max Benz

Die Preisangabenverordnung (PAngV) ist die zentrale Rechtsgrundlage für Preisangaben im deutschen Einzelhandel und Online-Handel. Sie schreibt vor, wie Unternehmer Preise gegenüber Verbrauchern angeben müssen — vom Endpreis über die Angabe des Grundpreises bis hin zur Darstellung von Rabatten und Streichpreisen.

Verstöße gegen die Preisangabenverordnung gehören zu den häufigsten Abmahnursachen im deutschen E-Commerce. Wer Preise falsch auszeichnet, riskiert Abmahnungen, Unterlassungsklagen und Bußgelder bis zu 25.000 Euro.

Seit der Reform am 28. Mai 2022 gelten verschärfte Regeln für Streichpreise und die Angabe des Grundpreises. Viele Shopify-Händler haben ihre Shops noch nicht vollständig angepasst und bemerken das erst, wenn der erste Abmahnbrief eintrifft.

Dieser Guide erklärt alle Pflichten der Preisangabenverordnung, zeigt die häufigsten Fehler mit konkreten Fallbeispielen und gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du deinen Shopify-Shop ohne Theme-Code rechtssicher einrichtest.

Was ist die Preisangabenverordnung (PAngV)?

Die Preisangabenverordnung (PAngV) ist eine deutsche Verbraucherschutzverordnung, die regelt, wie Unternehmen Preise für Waren und Dienstleistungen gegenüber Verbrauchern angeben müssen. Zweck der Preisangabenverordnung ist es, durch sachlich zutreffende und vollständige Verbraucherinformation Preiswahrheit und Preisklarheit zu gewährleisten und die Stellung der Verbraucher durch optimale Preisvergleichsmöglichkeiten zu stärken.

Der Grundsatz der Preisangabenverordnung ist in § 1 Abs. 1 PAngV festgelegt: Wer Verbrauchern gegenüber Waren oder Leistungen anbietet, muss den Gesamtpreis transparent und eindeutig angeben. Die Angabe von Preisen muss so erfolgen, dass sie leicht erkannt, klar zugeordnet und eindeutig identifiziert werden kann.

Die PAngV gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 1970 und wurde seither mehrfach angepasst. Die bisher einschneidendste Reform trat am 28. Mai 2022 in Kraft. Sie setzte die EU-Omnibus-Richtlinie um und verschärfte insbesondere die Regeln für die Angabe von Vergleichspreisen bei Preisreduktionen sowie für die Angabe des Grundpreises.

Rechtliche Grundlage sind die §§ 1 bis 11 PAngV. Die Preisangabenverordnung gilt für alle Unternehmer im Sinne des § 14 BGB, die gegenüber Verbrauchern im Sinne des § 13 BGB tätig werden — sowohl im stationären Handel als auch im Online-Handel.

Die wichtigsten Begriffe der Preisangabenverordnung im Überblick

BegriffDefinition nach PAngV
EndpreisGesamtpreis inkl. MwSt und aller Pflichtbestandteile für eine konkrete Produkteinheit
GrundpreisPreis pro gesetzlicher Basiseinheit (kg, L, m, m²) für Mengenartikel
Vergleichspreis / StreichpreisFrüherer Preis als Referenz für eine Preisreduktion — seit 2022: 30-Tage-Minimum
GesamtpreisSynonym für Endpreis nach § 2 PAngV
AnbietenÖffentliches Angebot mit Preisangabe — löst PAngV-Pflichten aus
WerbenWerbung mit Preisangaben — löst dieselben Pflichten aus wie das Anbieten

Für wen gilt die PAngV — und für wen nicht?

Die Preisangabenverordnung verpflichtet grundsätzlich alle Unternehmer, die gegenüber Verbrauchern tätig werden (B2C-Geschäft). Das gilt online genauso wie im Ladengeschäft.

Die PAngV gilt für:

  • Online-Shops, die an Privatpersonen verkaufen
  • Marktplätze und Plattformen mit B2C-Angeboten
  • Stationäre Einzelhändler
  • Dienstleister, die Preise für Leistungen angeben (z. B. Handwerker, Friseurbetriebe)
  • Werbeanzeigen und Marketing-Inhalte mit Preisangaben

Die PAngV gilt nicht für:

  • Reine B2B-Shops, die ausschließlich an Gewerbetreibende verkaufen
  • Bestimmte Finanzdienstleistungen (unterliegen eigenen Vorschriften)
  • Einzelne Leistungen mit individuell vereinbarten Preisen ohne öffentliche Preisangabe
  • Angebote, die sich ausschließlich an Behörden oder öffentliche Einrichtungen richten

Wichtig für Shopify-Händler mit Mischsortiment: Wenn dein Shop sowohl an Privatkunden als auch an Gewerbetreibende verkauft und die Produktseiten öffentlich erreichbar sind, gelten die Anforderungen der Preisangabenverordnung für alle Angebote. Die Preisangabenverordnung kennt hier keinen Bestandsschutz für Mischshops. Eine technische Trennung in einen öffentlichen B2C-Bereich und einen separat gesicherten B2B-Bereich mit Login-Pflicht ist die einzige rechtssichere Lösung.

Die 4 Kernpflichten der PAngV für Online-Händler

Die folgende Übersicht zeigt die vier Pflichten der Preisangabenverordnung, die für jeden Shopify-Shop relevant sind.

Die 4 Kernpflichten der PAngV für Online-Händler: Endpreis, Grundpreis, 30-Tage-Regel, Versandkosten

1. Endpreis inkl. MwSt und aller Gebühren angeben

Der wichtigste Grundsatz der Preisangabenverordnung: Der Gesamtpreis — also der Preis inklusive Mehrwertsteuer und aller sonstigen Preisbestandteile — muss die am deutlichsten sichtbare Preisangabe auf jeder Produktseite sein.

Verboten ist es, auf Produktseiten oder in der Werbung zunächst einen Nettopreis anzuzeigen und die Mehrwertsteuer erst später im Checkout hinzuzurechnen. Ebenso unzulässig sind versteckte Zusatzgebühren, die erst kurz vor dem Kauf erscheinen.

Was der Endpreis enthalten muss:

  • Mehrwertsteuer (19 % Regelsteuersatz oder 7 % ermäßigt, je nach Produktkategorie)
  • Alle obligatorischen Aufschläge und Servicegebühren
  • Bei zusammengesetzten Produkten: alle Pflichtbestandteile des Preises

Nicht im Endpreis enthalten sein müssen die Versandkosten. Diese sind jedoch nach § 6 PAngV gesondert und spätestens zu Beginn des Bestellvorgangs vollständig anzugeben.

Die Angabe des Preises muss “in unmittelbarer Nähe” zum Produkt erfolgen. Das bedeutet: keine Preisangabe erst in der Produktbeschreibung am Ende der Seite, sondern direkt beim Produktbild und dem Bestellen-Button.

In Shopify zeigen alle Standard-Themes den Bruttopreis automatisch, sofern der Shop für die Steuerregion Deutschland korrekt konfiguriert ist. Prüfe unter Einstellungen > Steuern und Abgaben, ob die Option “Steuern in Preisen enthalten” aktiviert ist.

2. Angabe des Grundpreises bei Mengenartikeln

Für Waren, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft werden, ist nach § 4 PAngV zusätzlich zum Endpreis die Angabe des Grundpreises verpflichtend. Die Angabe des Grundpreises gibt den Preis pro Kilogramm, Liter, Meter oder Quadratmeter an und ermöglicht Verbrauchern den direkten Preisvergleich zwischen verschiedenen Packungsgrößen und Anbietern.

Die Angabe des Grundpreises ist keine Kann-Bestimmung, sondern eine Pflicht — und einer der häufigsten Abmahntreiber in Deutschland, da viele Händler die Grundpreispflicht unterschätzen oder für bestimmte Produktkategorien nicht kennen.

Produktkategorien mit Grundpreispflicht (Auswahl):

  • Lebensmittel (Kaffee, Öl, Mehl, Tiefkühlware, Gewürze, Trockenfrüchte)
  • Kosmetik und Körperpflegeprodukte (Shampoo, Creme, Parfüm, Deodorant)
  • Reinigungsmittel und Haushaltschemikalien (Spülmittel, Waschmittel, Desinfektionsmittel)
  • Textilien, die nach Meter oder Quadratmeter verkauft werden

Wichtige Formatregel für die Angabe des Grundpreises: Die Angabe des Grundpreises muss in der gesetzlich vorgeschriebenen Basiseinheit erfolgen — also “pro Kilogramm” oder “pro Liter”, nicht in “pro 100g” oder “pro 100ml”. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die Angabe des Grundpreises pro Kilogramm bzw. Liter den Endpreis übersteigen würde, typischerweise bei Produkten unter 250g oder 250ml. Hier ist die Angabe des Grundpreises pro 100g oder 100ml zulässig.

Ausnahmen von der Grundpreispflicht:

  • Waren mit weniger als 10g oder 10ml Füllmenge
  • Gemischte Waren (z. B. Geschenkkörbe aus verschiedenen Artikeln mit unterschiedlichen Einheiten)
  • Selbstbedienungsware, die der Verbraucher selbst abfüllt (z. B. Nüsse, Öle an der Frischetheke)
  • Produkte, bei denen eine einheitliche Grundpreisangabe technisch nicht möglich ist

Praxishinweis aus der Rechtsprechung: Das OLG Celle hat 2024 entschieden, dass Verarbeitungsgebühren nicht in die Angabe des Grundpreises einfließen. Wenn ein Anbieter eine Servicepauschale für die Abfüllung oder Bearbeitung erhebt, zählt diese nicht als Teil des Grundpreises.

Angabe des Grundpreises in Shopify: Gehe zu Produkte > [Produkt auswählen] > Grundpreis und trage dort den Preis pro Basiseinheit ein. Achte darauf, die korrekte Einheit (kg, L, m, m²) auszuwählen. Shopify zeigt die Angabe des Grundpreises dann automatisch auf der Produktseite an. Nicht alle Themes zeigen den Grundpreis standardmäßig auch in Collection-Listen — prüfe das separat im Theme-Editor.

3. Die 30-Tage-Regel bei Streichpreisen

Die wichtigste Neuerung der PAngV-Reform 2022 betrifft Preisreduktionen. Wer einen Artikel als reduziert bewirbt und einen durchgestrichenen Vorpreis anzeigt, muss sicherstellen, dass dieser Vorpreis dem niedrigsten Preis entspricht, zu dem das Produkt in den letzten 30 Tagen angeboten wurde.

Konkret: Wenn ein Produkt am 1. Mai für 29,90 Euro, am 10. Mai für 34,90 Euro und am 11. Juni für 24,90 Euro angeboten wird, darf der Streichpreis höchstens 29,90 Euro (der niedrigste 30-Tage-Preis) betragen — auch wenn der zuletzt aktive Preis 34,90 Euro war.

Händler können also nicht mehr kurz vor einer Rabattaktion den Preis künstlich anheben, um dann mit einem scheinbar größeren Rabatt zu werben. Das ist nach der Preisangabenverordnung in der Fassung vom 28. Mai 2022 ausdrücklich unzulässig.

Ausnahmen von der 30-Tage-Regel (§ 11 Abs. 2 PAngV):

  • Bundling-Angebote ohne direkte Preisreduktion (z. B. 3-für-2-Aktionen ohne Streichpreis)
  • Reine Marketing-Claims ohne angegebenen Vorpreis (z. B. “Jetzt neu” oder “Top-Angebot”)
  • Individuell personalisierte Rabatte, die gezielt an bestimmte Kunden gerichtet sind (z. B. Geburtstags-E-Mail mit individuellem Code)
  • Verderbliche Waren und Lebensmittel mit sehr kurzer Haltbarkeit
  • Produkte, die weniger als 30 Tage im Sortiment sind (Neulistungen)
  • Zeitlich begrenzte Kategorierabatte ohne produktspezifischen Streichpreis

Was ist mit Herstellerpreisempfehlungen (UVP)? Die Verwendung einer unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers als Referenz ist grundsätzlich möglich — aber nur dann, wenn der eigene Verkaufspreis innerhalb der letzten 30 Tage nicht unterhalb der UVP lag. Anderenfalls muss der niedrigere eigene Preis als Referenz genutzt werden.

In Shopify trägst du den Streichpreis im Feld “Vergleichspreis” ein. Shopify führt keine automatische 30-Tage-Prüfung durch. Du bist dafür verantwortlich, dass der eingetragene Vergleichspreis korrekt ist. Empfehlenswert ist eine Preishistorien-Dokumentation (z. B. als Metafeld oder einfaches Preislog) oder der Einsatz einer Compliance-App mit integrierter Preisüberwachung.

4. Versandkosten und weitere Pflichthinweise

Versandkosten müssen nach § 6 PAngV spätestens zu Beginn des Bestellvorgangs vollständig angegeben werden. Auf Produktseiten reicht der Pflichthinweis “zzgl. Versandkosten” mit einem direkten, funktionierenden Link zur Versandkostenübersicht.

Pflichtangaben auf jeder Produktseite:

  • Endpreis inkl. MwSt
  • Hinweis “inkl. MwSt” oder “inkl. 19 % MwSt”
  • Angabe der Versandkosten oder Hinweis mit Link
  • Angabe des Grundpreises (bei Mengenartikel)

In Shopify ist der Versandkostenhinweis in Standard-Themes bereits vorgesehen. Prüfe, ob im Theme-Editor die Verlinkung zur Versandkostenseite korrekt gesetzt ist. Insbesondere nach Theme-Updates, Shopify-Migrationen oder App-Installationen kann dieser Link verloren gehen — ein häufig übersehenes Abmahnrisiko.

PAngV 2022 — Was hat sich konkret geändert?

Die Reform der Preisangabenverordnung vom 28. Mai 2022 brachte die weitreichendsten Änderungen seit Bestehen der Verordnung. Die folgende Grafik fasst die wichtigsten Vor-/Nachher-Unterschiede zusammen.

PAngV 2022 Änderungen: Vergleich der alten und neuen Regelungen für Streichpreise, Grundpreis-Einheiten und B2B-Ausnahmen

ThemaRegelung der PAngV vor Mai 2022Regelung der PAngV ab 28. Mai 2022
Referenzpreis bei StreichpreisenUVP des Herstellers oder eigener früherer Preis ohne Zeitlimit erlaubtAusschließlich niedrigster eigener Preis der letzten 30 Tage zulässig
Angabe des Grundpreises — EinheitAngabe des Grundpreises auch pro 100g oder 100ml möglichAngabe des Grundpreises nur noch in kg, Liter, m oder m² als Basiseinheit
Portionspreis bei LebensmittelnKeine explizite RegelungPortionspreis neben Angabe des Grundpreises zulässig
B2B-Ausnahme bei MischshopsKeine einheitliche RechtsprechungÖffentlich erreichbare Angebote gelten als B2C-Angebote
Werbung mit PreisreduktionVage Anforderungen an den VorpreisKlare Pflicht zur Angabe des 30-Tage-Minimums als Referenzpreis

Die Änderungen gelten seit Inkrafttreten verbindlich. Shops, die seitdem keine Anpassungen vorgenommen haben, können von Mitbewerbern und Verbänden abgemahnt werden — unabhängig davon, ob die alte Version der PAngV für den Shop noch “gefühlt” galt.

Die 6 häufigsten Abmahnfallen bei der PAngV

Diese Fehler führen in der Praxis am häufigsten zu Verstößen gegen die Preisangabenverordnung und damit zu Abmahnungen.

Die 6 häufigsten PAngV-Abmahnfallen mit Konsequenzen: Streichpreis, Grundpreis, MwSt, Versandkosten, Einheit, Influencer

1. Streichpreis entspricht nicht dem 30-Tage-Minimum Häufigster Fehler nach der PAngV-Reform 2022: Der Vergleichspreis im Shop enthält einen beliebigen früheren Preis statt dem niedrigsten Preis der letzten 30 Tage vor der Preisreduktion. Abhilfe: Preishistorie dokumentieren und Vergleichspreis bei jeder Preissenkung aktualisieren.

2. Angabe des Grundpreises fehlt bei Kosmetik oder Lebensmitteln Besonders häufig bei Produkten, die erst nach dem Launch ins Sortiment aufgenommen werden. Wenn das Grundpreis-Feld in Shopify leer bleibt, wird keine Angabe des Grundpreises auf der Produktseite angezeigt — auch wenn sie gesetzlich Pflicht ist.

3. MwSt-Hinweis fehlt oder ist technisch nicht sichtbar Der Hinweis “inkl. MwSt” muss auf jeder Produktseite für den Nutzer klar erkennbar sein. Fehlt er nach einem Theme-Update oder wird er durch ein Cookie-Banner oder einen Lightbox-Layer verdeckt, entsteht ein abmahnbarer Verstoß gegen die Preisangabenverordnung.

4. Link zu den Versandkosten ist defekt oder fehlt Besonders nach Theme-Wechseln, Domain-Umzügen oder Shopify-Migrationen bricht der interne Link zur Versandkostenübersicht. Ein Broken-Link-Check gehört nach jedem Shopify-Update auf die Pflichtliste.

5. Angabe des Grundpreises in falscher Einheit Wer “9,99 EUR pro 100ml” statt “99,90 EUR pro Liter” anzeigt, verstößt seit der PAngV-Reform 2022 gegen die Pflicht zur Angabe des Grundpreises in der gesetzlichen Basiseinheit. Diese Einheitenfehler entstehen häufig, wenn Produkte aus alten Datenbankexporten oder Katalogdaten importiert werden.

6. Influencer oder Affiliate bewirbt Produkt ohne Angabe des Grundpreises Wenn ein Influencer oder Affiliate-Partner ein Produkt in einem öffentlichen Beitrag bewirbt, für das eine Grundpreispflicht besteht, muss der Grundpreis im Beitrag enthalten sein. Händler sollten ihre Creator-Briefings und Affiliate-Richtlinien entsprechend aktualisieren.

Konsequenzen bei Verstößen gegen die Preisangabenverordnung

Verstöße gegen die Preisangabenverordnung sind nach § 3a UWG als unlautere Geschäftshandlungen einzustufen. Daraus ergeben sich praktische Konsequenzen auf mehreren Ebenen:

Abmahnung durch Mitbewerber oder Verbände Jeder Mitbewerber und abmahnberechtigte Verbände wie der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) oder die Wettbewerbszentrale können bei Verstößen gegen die Preisangabenverordnung eine kostenpflichtige Abmahnung aussprechen. Abmahngebühren beginnen bei mehreren hundert Euro und können je nach Streitwert und Kanzlei schnell in den vierstelligen Bereich steigen.

Unterlassungserklärung und Schadensersatz Nach einer Abmahnung wegen Verstößen gegen die Preisangabenverordnung ist üblicherweise die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung gefordert. Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft.

Bußgeld nach der Preisangabenverordnung Verstöße gegen bestimmte Pflichten der Preisangabenverordnung — insbesondere die Pflicht zur Angabe des Grundpreises und zur Endpreisangabe — können nach § 11 PAngV mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro belegt werden.

Wer mahnt wegen Verstößen gegen die Preisangabenverordnung ab? Neben Mitbewerbern und Verbraucherverbänden sind es in der Praxis häufig spezialisierte Abmahnkanzleien, die im Auftrag von Wettbewerbern agieren. Besonders aktiv sind diese in Branchen mit vielen homogenen Produkten und leicht vergleichbaren Preisen: Kosmetik, Lebensmittel, Elektronik-Zubehör und Nahrungsergänzungsmittel.

PAngV in Shopify umsetzen — ohne Theme-Code

Shopify bietet für die meisten Anforderungen der Preisangabenverordnung native Funktionen. Du brauchst keinen Custom-Code, wenn du die richtigen Einstellungen kennst.

Endpreis korrekt darstellen:

  1. Gehe zu Einstellungen > Steuern und Abgaben
  2. Aktiviere “Alle Preise inklusive Steuer anzeigen” (empfohlen für DE-Shops)
  3. Prüfe, ob dein Theme den Bruttopreis korrekt anzeigt, indem du eine Testbestellung durchführst und die Preisdarstellung in jedem Checkout-Schritt kontrollierst

Angabe des Grundpreises aktivieren:

  1. Öffne ein Produkt im Shopify-Admin
  2. Scrolle zum Bereich “Grundpreis” oder trage das Gewicht/Volumen im Versandbereich ein
  3. Aktiviere unter Onlineshop > Themes > Anpassen die Grundpreisanzeige (die Anzeige der Angabe des Grundpreises ist nicht in allen Standard-Themes standardmäßig aktiviert)
  4. Prüfe die Darstellung auf der Live-Produktseite und in der Collection-Ansicht
  5. Stelle sicher, dass die Angabe des Grundpreises auch in Suchergebnissen innerhalb des Shops sichtbar ist

Streichpreis korrekt befüllen:

  1. Öffne das Produkt oder die Variante im Admin
  2. Trage im Feld “Vergleichspreis” den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage ein
  3. Dokumentiere jede Preisänderung mit Datum (Export als CSV, Google Sheet oder Shopify-Metafeld)
  4. Shopify führt keine automatische 30-Tage-Prüfung durch — das ist deine Verantwortung

Versandkosten-Hinweis prüfen:

  1. Gehe zu Onlineshop > Themes > Anpassen
  2. Prüfe die Produktseiten-Vorlage auf den Versandkostenhinweis
  3. Teste den Link zur Versandkostenseite auf einer Produktseite im Vorschau-Modus
  4. Wiederhole diesen Check nach jedem Theme-Update

Automatisierung mit shopcompliance.net: Bei vielen Produkten oder häufigen Preisänderungen hilft shopcompliance.net, Verstöße gegen die Preisangabenverordnung automatisch zu erkennen. Die App prüft alle Produktseiten auf fehlende Angaben des Grundpreises, fehlende MwSt-Hinweise, fehlerhafte Streichpreisangaben und defekte Versandkosten-Links — ohne dass du jeden Artikel manuell kontrollieren musst.

PAngV bei Online-Werbung: Was Händler in Anzeigen beachten müssen

Die Pflichten der Preisangabenverordnung gelten nicht nur für die Produktseiten im Shop, sondern auch für Online-Werbung. Das betrifft Google Shopping-Anzeigen, Meta-Ads, TikTok-Ads und alle anderen Kanäle, über die Produkte mit Preisangaben beworben werden.

Anbieten und Werben sind in der Preisangabenverordnung gleichgestellt. Sobald in einer Werbung ein Preis für ein konkretes Produkt genannt wird, gelten dieselben Pflichten wie auf der Produktseite. Das schließt ein:

  • Endpreis inkl. MwSt (kein Nettopreis in der Anzeige)
  • Angabe des Grundpreises bei Mengenartikeln (auch in Bild- oder Video-Ads)
  • Streichpreise nach der 30-Tage-Regel (auch in Rabatt-Bannern)
  • Versandkostenhinweis (bei begrenztem Platz reicht “zzgl. Versandkosten”)

Besonderheit bei Google Shopping: Google Shopping zeigt automatisch die Preise aus deinem Merchant-Center-Feed. Wenn der Feed falsche oder fehlende Grundpreise enthält, tauchen diese Fehler direkt in der bezahlten Werbung auf. Shopify-Apps für Google Shopping übertragen in der Regel das Grundpreis-Feld — prüfe aber manuell, ob die Angabe des Grundpreises im Feed korrekt formatiert ist.

Besonderheit bei Meta-Ads (Facebook/Instagram): Wenn du Produktbilder mit Preisangaben erstellst (z. B. für dynamische Produktanzeigen), muss die Angabe des Grundpreises im Bild oder im Text der Anzeige enthalten sein. Es reicht nicht aus, den Grundpreis nur auf der Landingpage zu zeigen, wenn die Anzeige bereits einen Preis nennt.

Was gilt für Influencer-Kooperationen? Wenn ein Influencer in einem öffentlichen Beitrag einen Preis für ein Produkt nennt oder einen Rabattcode mit Preisreduktion bewirbt, gelten die Pflichten der Preisangabenverordnung — auch wenn der Influencer das Produkt nicht selbst verkauft. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat hierzu klargestellt, dass auch Nicht-Händler, die im Rahmen kommerzieller Kommunikation Preise angeben, der Pflicht zur Angabe des Grundpreises unterliegen. Händler sollten ihre Creator-Briefings deshalb eine Passage zur korrekten Grundpreisangabe enthalten.

PAngV-Checkliste für deinen Shopify-Shop

Nutze diese Checkliste vor jedem Produktlaunch und nach jedem Theme-Update:

  • Alle Produktpreise sind Bruttopreise inkl. MwSt
  • Jede Produktseite zeigt den Hinweis “inkl. MwSt”
  • Jede Produktseite enthält einen funktionierenden Link zur Versandkostenübersicht
  • Angabe des Grundpreises aktiviert für alle Mengenartikel (Kosmetik, Lebensmittel, Reinigung etc.)
  • Grundpreiseinheit ist korrekt (kg oder Liter, nicht 100g oder 100ml — außer bei Produkten unter 250g/250ml)
  • Streichpreise zeigen den niedrigsten eigenen Preis der letzten 30 Tage
  • Keine UVP als Streichpreis, wenn der eigene Preis jemals niedriger war
  • Angabe des Grundpreises auch in Collection-Listen und Suchergebnissen sichtbar
  • Affiliate- und Influencer-Partner über die Grundpreispflicht informiert
  • B2C- und B2B-Bereich technisch getrennt (bei Mischshops)

FAQ — Häufige Fragen zur Preisangabenverordnung

Gilt die PAngV auch für digitale Produkte wie Downloads oder Software-Lizenzen?

Die Grundpreispflicht — also die Angabe des Grundpreises pro Kilogramm oder Liter — gilt naturgemäß nicht für digitale Produkte ohne Mengenangabe. Die Endpreispflicht und die Pflicht zur vollständigen Angabe aller Preisbestandteile inkl. MwSt gelten jedoch auch für digitale Güter wie Downloads, Abonnements und Software-Lizenzen. Der Endpreis muss dabei stets der Bruttobetrag sein, den der Verbraucher tatsächlich bezahlt.

Muss die Angabe des Grundpreises auch auf Kategorieseiten (Collections) erfolgen?

Ja. Nach § 4 Abs. 1 PAngV muss die Angabe des Grundpreises “in unmittelbarer Nähe zum Verkaufspreis” erfolgen — also auch in Produktlisten, Suchergebnissen und Kategoriepages. Für gemischte Waren wie Geschenkkörbe gilt eine Ausnahme: Für das Set als Ganzes ist keine Angabe des Grundpreises erforderlich, da verschiedenartige Erzeugnisse nicht miteinander vermischt sind (§ 9 Abs. 4 Nr. 2 PAngV). Viele Shopify-Themes zeigen die Angabe des Grundpreises standardmäßig nur auf der Produktdetailseite. Collection-Listen sind separat zu prüfen und ggf. anzupassen.

Darf ich die UVP des Herstellers als Streichpreis anzeigen?

Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkung. Die Verwendung einer Herstellerpreisempfehlung als Referenzpreis ist nur dann zulässig, wenn der eigene Verkaufspreis in den letzten 30 Tagen nie unterhalb der UVP lag. Hat das Produkt schon einmal zu einem günstigeren Preis angeboten werden, muss dieser niedrigere Preis als Referenzpreis der Preisangabenverordnung genutzt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Endpreis und Grundpreis nach der PAngV?

Der Endpreis ist der vollständige Kaufpreis für eine konkrete Produkteinheit inkl. MwSt und aller weiteren Pflichtbestandteile (z. B. 4,99 Euro für eine 250ml-Flasche Shampoo). Die Angabe des Grundpreises ist der umgerechnete Preis pro gesetzlicher Basiseinheit (z. B. 19,96 Euro pro Liter). Die Angabe des Grundpreises ermöglicht den Preisvergleich zwischen verschiedenen Packungsgrößen. Beide Angaben sind bei Mengenartikeln nach der Preisangabenverordnung Pflicht und müssen in unmittelbarer Nähe zueinander auf der Produktseite erscheinen.

Wie lange muss ich Preishistorien für Streichpreise aufbewahren?

Die Preisangabenverordnung schreibt keine konkrete Aufbewahrungsfrist vor. Da Abmahnklagen nach § 11 UWG innerhalb von sechs Monaten nach Kenntnisnahme erhoben werden können und Schadensersatzansprüche nach drei Jahren verjähren, empfiehlt sich eine Dokumentation der Preishistorie von mindestens drei Jahren. Praktisch empfiehlt sich ein einfaches Preislog als CSV, Google Sheet oder Shopify-Metafeld mit Datum, Preis und Änderungsgrund für jedes Produkt.

Gilt die 30-Tage-Regel auch für Flash-Sales unter 24 Stunden?

Ja. Die Dauer der Rabattaktion spielt keine Rolle für die Anforderungen der Preisangabenverordnung. Auch bei einem 4-Stunden-Sale muss der angezeigte Streichpreis dem niedrigsten eigenen Preis der letzten 30 Tage entsprechen. Die einzige relevante Ausnahme ist die individuell personalisierte Rabattaktion — also ein Angebot, das gezielt an einzelne Kunden gerichtet ist und nicht öffentlich beworben wird.

Was droht bei wiederholten Verstößen gegen die Preisangabenverordnung?

Bei einem Erstverstoß ist meist eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung die Folge. Wer eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben hat und danach erneut gegen die Preisangabenverordnung verstößt, dem drohen Vertragsstrafen von typischerweise 5.001 bis 15.000 Euro je Einzelfall — zusätzlich zu einem möglichen Bußgeld nach § 11 PAngV. Gerichte setzen Ordnungsgelder in dieser Höhe in der Praxis regelmäßig durch.

Fazit: Verstöße gegen die Preisangabenverordnung vermeiden

Die Preisangabenverordnung ist keine einmalige Compliance-Aufgabe, sondern eine laufende Pflicht. Jede neue Produktlinie, jede Rabattaktion und jedes Theme-Update kann neue Verstöße gegen die Preisangabenverordnung erzeugen — und damit neue Abmahnrisiken.

Shopify bietet die technischen Grundlagen, aber die rechtliche Korrektheit aller Preisangaben liegt in deiner Verantwortung. Wer viele Produkte pflegt oder häufig Preisaktionen durchführt, spart mit einer automatisierten Prüfung auf Verstöße gegen die Preisangabenverordnung erheblich Zeit und Risiko.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall wende dich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.