AGB für den Online-Shop: Was rein muss (+ Vertragsschluss)
Wer einen Online-Shop betreibt, braucht früher oder später AGB. Nicht weil das Gesetz sie vorschreibt, sondern weil ohne Allgemeine Geschäftsbedingungen das Gesetz die Regeln setzt, die dann oft schlechter passen als selbst geschriebene. Dieser Guide zeigt dir, was in die AGB deines Shops gehört, wie der Vertragsschluss online korrekt funktioniert und was du bei Shopify tun kannst, ohne eine Zeile Code anzufassen.
Was sind AGB und wozu braucht ein Online-Shop sie?
Allgemeine Geschäftsbedingungen sind vorformulierte Vertragsbedingungen, die du als Shopbetreiber für alle Bestellungen gleichzeitig festlegst. Kurz: Hausregeln für den Onlineshop. Sie regeln, was bei Lieferung, Zahlung, Rücktritt oder Reklamation gilt, ohne dass du mit jedem Kunden einzeln verhandeln musst.
Ohne AGB greift das BGB mit seinen Auffangregeln. Das klingt neutral, ist es aber nicht. Gesetzliche Regelungen sind oft verbraucherfreundlicher als das, was du in deinen AGB vernünftigerweise vereinbaren würdest. Außerdem schützen klare AGB vor Abmahnungen, die entstehen, wenn Konkurrenten oder Abmahnvereine deine Seite nach Wettbewerbsverstößen durchsuchen.
Für Shopify-Shops gibt es noch einen praktischen Grund: Zahlungsanbieter wie Stripe oder PayPal verlangen bei der Kontoeinrichtung, dass du auf Nutzungsbedingungen verweist. AGB erfüllen diese Anforderung. Dasselbe gilt, wenn du über Marktplätze wie Amazon oder Ebay zusätzlich verkaufst und dort einen rechtssicheren Rahmen brauchst.
Die wichtigste Funktion der AGB ist aber der Eigentumsschutz: Ohne sie hast du bei Rücksendungen, Zahlungsausfällen oder Beschädigungen auf dem Transportweg nur das, was das BGB von sich aus hergibt. Das ist weniger, als du denkst.
Sind AGB für den Online-Shop Pflicht?
Das BGB schreibt AGB nicht vor. Kein Gesetz zwingt dich, sie zu haben. Trotzdem sind sie für die meisten Shops faktisch unumgänglich, aus drei Gründen.
Erstens: Das Fernabsatzrecht (§§ 312 ff. BGB) verlangt von dir als Shopbetreiber, dass du Verbraucher über eine Vielzahl von Punkten informierst, bevor der Vertrag zustande kommt. Lieferbedingungen, Widerrufsrecht, Zahlungsarten, Beschwerdemöglichkeiten. Diese Informationen kannst du theoretisch auf verschiedene Seiten verteilen, in der Praxis bündeln sie fast alle Shops in den AGB.
Zweitens: Ohne AGB fehlen Klauseln, die du als Unternehmer brauchst, etwa der Eigentumsvorbehalt oder die Haftungsbeschränkung für mittelbare Schäden.
Drittens: Fehlende oder fehlerhafte Pflichtinformationen kosten dich schnell mehrere hundert bis tausend Euro durch Abmahnungen.
B2C vs. B2B: Unterschiedliche Anforderungen
Die Anforderungen an AGB unterscheiden sich deutlich, je nachdem, ob du an Verbraucher oder an Unternehmer verkaufst.
| Merkmal | B2C-Shop | B2B-Shop |
|---|---|---|
| Fernabsatzrecht §§ 312 ff. BGB | Gilt vollständig | Gilt nicht |
| Widerrufsrecht (14 Tage) | Pflicht | Nicht vorgeschrieben |
| Gewährleistungsfrist | 2 Jahre, nicht verkürzbar | Vertraglich auf 1 Jahr kürzbar |
| Haftungsbeschränkungen | Stark eingeschränkt | Weitergehend möglich |
| AGB-Kontrolle §§ 307-309 BGB | Strenge Verbraucherschutzklauseln | Weniger strenge Anforderungen |
| Pflichtangaben | Umfangreich | Deutlich weniger |
Im B2C-Bereich bist du also gebunden. Im B2B-Bereich hast du mehr Spielraum, aber ohne AGB fehlen dir die Schutzinstrumente, die im Geschäftsverkehr wichtig sind.
Was muss in die AGB eines Online-Shops?
Das BGB schreibt keinen festen Katalog vor. Es gibt aber Klauseln, die du fast immer brauchst, weil sie rechtliche Unklarheiten schließen oder weil das Fernabsatzrecht bestimmte Informationen fordert. Die folgende Übersicht zeigt alle Pflichtklauseln im Überblick:

1. Geltungsbereich und Vertragspartner
Die AGB müssen klarstellen, für wen und für welche Geschäfte sie gelten. Hier steht, ob du nur an Verbraucher, nur an Unternehmer oder an beide verkaufst. Diese Trennung ist wichtig, weil Verbraucher wesentlich stärker geschützt sind als Unternehmer.
Pflichtangaben in diesem Abschnitt:
- vollständige Unternehmensbezeichnung und ladungsfähige Anschrift des Shopbetreibers
- E-Mail-Adresse und gegebenenfalls Telefonnummer
- ob der Vertragspartner Verbraucher oder Unternehmer ist und wie du Unternehmer in deinen AGB definierst
2. Vertragsschluss
Dieser Abschnitt beschreibt, wann ein verbindlicher Kaufvertrag zwischen dir und dem Kunden entsteht. Das ist im Onlinehandel komplizierter als im stationären Handel und wird im nächsten Hauptabschnitt ausführlich erklärt.
Die AGB müssen hier festhalten:
- dass die Produktdarstellung im Shop kein verbindliches Angebot ist (invitatio ad offerendum)
- welche Schritte der Kunde zum Vertragsschluss durchläuft
- wann du das Angebot des Kunden annimmst: Auftragsbestätigung oder Versandmeldung
3. Preise, Versandkosten und Zahlung
Alle Preise müssen Bruttopreise inklusive Mehrwertsteuer sein. Versandkosten musst du spätestens vor Abschluss der Bestellung klar kommunizieren, der Betrag im Cart wird per PAngV-Anforderung erwartet. In den AGB lässt sich zusätzlich regeln:
- welche Zahlungsarten du akzeptierst
- wann der Kaufpreis fällig ist (in der Regel sofort bei Bestellung)
- was bei Zahlungsverzug gilt (gesetzliche Verzugszinsen nach § 288 BGB, Mahnkosten)
- ob und unter welchen Bedingungen du auf Vorkasse bestehst
- wie du mit Rechnungskauf oder Ratenzahlung umgehst, falls du das anbietest
Lieferst du mengen- oder gewichtsabhängige Produkte, schreibt die Preisangabenverordnung (PAngV) außerdem Grundpreisangaben vor. Das ist kein AGB-Thema, gehört aber zum gleichen rechtlichen Pflichtrahmen wie die AGB.
4. Lieferung und Eigentumsvorbehalt
Die AGB sollten die Lieferzeit, den Lieferumfang und die Versandwege nennen. Besonders wichtig ist der einfache Eigentumsvorbehalt: Die Ware bleibt bis zur vollständigen Bezahlung dein Eigentum. Das schützt dich bei Insolvenz des Kunden oder bei einem Widerruf, bei dem der Kunde das Geld zurückverlangt, die Ware aber noch nicht zurückgeschickt hat.
Was hier hineingehört:
- Liefergebiet (Deutschland, EU, international oder weltweit)
- voraussichtliche Lieferzeit in Werktagen und ob diese Angabe verbindlich ist
- Risikoübergang: ab wann trägt der Käufer das Transportrisiko (gesetzlich ab Übergabe an den Transporteur)
- Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Zahlung
Für Shops, die per Dropshipping versenden, ist der Hinweis wichtig, dass Versandzeiten von Drittanbieter abhängen können. Genau das sollte in die Produktbeschreibung oder in die Versandhinweise, damit Kunden keine falschen Erwartungen zur Lieferdauer entwickeln. In die AGB muss es nicht zwingend rein.
5. Widerrufsrecht: 14 Tage als gesetzliches Minimum
Das ist eine der wichtigsten Klauseln für B2C-Shops. Verbraucher haben bei Fernabsatzverträgen nach § 312g BGB das Recht, den Kauf ohne Angabe von Gründen innerhalb von 14 Tagen zu widerrufen. Du kannst diese Frist in den AGB auf 30 Tage verlängern, kannst sie aber nicht verkürzen.
Was in die AGB oder als separaten Text gehört:
- Widerrufsbelehrung mit Fristbeginn (ab Erhalt der Ware) und deiner Anschrift
- Muster-Widerrufsformular nach der EU-Fernabsatzrichtlinie (Anlage 2 zu Art. 246a EGBGB)
- Ausnahmen vom Widerrufsrecht: verderbliche Waren, hygienisch versiegelte Produkte, individuell angefertigte Waren, digitale Inhalte nach ausdrücklicher Zustimmung und Beginn der Lieferung
Das Muster-Widerrufsformular darf nicht nur verlinkt sein. Es muss dem Kunden tatsächlich zugänglich gemacht werden, üblicherweise als Anhang der Bestellbestätigung per E-Mail.
Die Kosten der Rücksendung kannst du dem Verbraucher auferlegen, musst das aber in der Widerrufsbelehrung klar kommunizieren. Tust du das nicht, trägst du die Rücksendekosten selbst.
6. Gewährleistung und Mängelhaftung
Im Verhältnis zu Verbrauchern gilt nach § 475 BGB die gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren ab Übergabe der Ware. Diese Frist kannst du für Verbraucher nicht verkürzen. Im B2B-Bereich kannst du die Frist vertraglich auf ein Jahr begrenzen.
Was in den AGB zur Gewährleistung stehen sollte:
- Hinweis auf die gesetzliche Gewährleistung (nicht mehr, nicht weniger als das Gesetz vorschreibt)
- Regelung, ob der Käufer bei Mängeln zunächst Nacherfüllung (Reparatur oder Ersatzlieferung) verlangen muss, bevor er vom Vertrag zurücktreten kann
- Haftungsbeschränkung für mittelbare Schäden und entgangenen Gewinn (gegenüber Unternehmern möglich, gegenüber Verbrauchern begrenzt)
- kein Haftungsausschluss für Vorsatz, grobe Fahrlässigkeit oder Personenschäden
Klauseln, die die Haftung vollständig ausschließen oder die gesetzliche Gewährleistung bei B2C-Geschäften auf ein Jahr verkürzen, sind nach §§ 308, 309 BGB unwirksam. Es gilt dann automatisch die gesetzliche Regelung.
7. Datenschutz
Die AGB müssen keine vollständige Datenschutzerklärung enthalten, wohl aber einen Hinweis auf sie. Außerdem solltest du klarstellen, welche Daten du im Rahmen der Bestellabwicklung verarbeitest, an welche Dienstleister du Daten weitergibst (Versanddienstleister, Zahlungsanbieter) und wie du mit Kundenfotos oder Bewertungen umgehst, wenn du diese weiterverwendest.
Die Datenschutzerklärung selbst steht im Regelfall als separates Dokument mit eigenem Link im Footer und im Checkout.
8. Streitbeilegung und Schlussbestimmungen
Seit dem 1. Juli 2025 ist die EU-Plattform für Online-Streitbeilegung (OS-Plattform) geschlossen worden. Der bisherige Pflichthinweis auf die OS-Plattform entfällt damit. Aktuell gilt: Du bist nicht verpflichtet, an einem Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung teilzunehmen, musst aber darüber informieren, ob du dazu bereit bist oder nicht.
Weitere Punkte für den Schlussabschnitt:
- anwendbares Recht: deutsches Recht gilt, wenn du an Verbraucher in Deutschland verkaufst; der Grundsatz der freien Rechtswahl gilt gegenüber Verbrauchern nicht vollständig
- Gerichtsstand: gegenüber Verbrauchern gilt ihr Wohnsitzgericht; gegenüber Unternehmern kannst du deinen Geschäftssitz vereinbaren
- Salvatorische Klausel: unwirksame Einzelklauseln sollen nicht die ganzen AGB entwerten
Checkliste: Pflichtklauseln für AGB im Online-Shop
Das gehört in fast jeden B2C-Shop:
- Angaben zum Vertragspartner (Name, Anschrift, E-Mail)
- Geltungsbereich und Kundendefinition (Verbraucher / Unternehmer)
- Vertragsschluss: Angebotsformulierung und Annahme
- Preise inklusive Mehrwertsteuer, Versandkosten
- Zahlungsarten und Fälligkeit
- Lieferbedingungen und Lieferzeit
- Eigentumsvorbehalt
- Widerrufsrecht mit Belehrung und Musterformular
- Gewährleistung (2 Jahre für Verbraucher)
- Haftungsbeschränkung (soweit zulässig)
- Datenschutzhinweis mit Link zur Datenschutzerklärung
- Streitbeilegungshinweis (kein OS-Plattform-Link mehr nötig)
- Salvatorische Klausel
Vertragsschluss im Online-Shop: Wie er rechtssicher funktioniert
Der Vertragsschluss ist eines der rechtlich heikelsten Themen im E-Commerce, weil das BGB hier klare Regeln hat, die viele Shops falsch umsetzen oder gar nicht beschreiben. Der folgende Ablauf veranschaulicht, wie ein Kaufvertrag im Onlineshop rechtssicher entsteht:

Angebot und Annahme: Das Grundprinzip
Ein Kaufvertrag kommt zustande, wenn zwei übereinstimmende Willenserklärungen vorliegen: Angebot und Annahme. Im Online-Shop ist die Darstellung eines Produkts auf der Produktseite in der Regel kein verbindliches Angebot des Shopbetreibers. Sie ist eine sogenannte invitatio ad offerendum, also eine Einladung, ein Angebot zu machen.
Das bedeutet: Wenn ein Kunde auf “Kaufen” klickt und die Bestellung abschickt, macht er ein Angebot an dich als Shopbetreiber. Du nimmst dieses Angebot erst an, wenn du eine Auftragsbestätigung versendest oder die Ware versendest, je nachdem, was du in deinen AGB festgelegt hast.
Warum diese Unterscheidung wichtig ist
Würde die Produktdarstellung bereits ein verbindliches Angebot sein, wärst du verpflichtet, jeden Kauf zu erfüllen, auch wenn du aus Versehen den Preis falsch eingetragen hast oder die Ware ausverkauft ist. Mit der korrekten Formulierung in den AGB behältst du die Kontrolle über den Zeitpunkt des Vertragsschlusses.
Die Rechtsprechung hat diesen Punkt mehrfach bestätigt. Shops, die den Vertragsschluss nicht klar regeln, riskieren, dass Gerichte den Zeitpunkt der Bestellbestätigung als verbindlichen Vertragsschluss werten, was bedeutet: Selbst ein offensichtlicher Preisfehler wäre dann vom Käufer einklagbar.
Die zwei gängigen Modelle bei Shopify
Modell 1: Auftragsbestätigung = Vertragsschluss
Du schickst sofort nach der Bestellung eine E-Mail, die ausdrücklich als Auftragsbestätigung und damit als Annahme formuliert ist. Ab diesem Moment ist der Vertrag verbindlich. Dieses Modell ist kundenfreundlicher, weil der Käufer sofort Rechtssicherheit hat, ob seine Bestellung angenommen wurde.
Modell 2: Versandbestätigung = Vertragsschluss
Deine erste E-Mail nach der Bestellung ist nur eine Eingangsbestätigung, kein verbindlicher Vertragsschluss. Der Vertrag kommt erst zustande, wenn du die Versandbestätigung schickst. Das gibt dir Zeit, Bestellungen zu prüfen, zum Beispiel bei Verdacht auf Betrug, bei Lagerbestandsproblemen oder bei ungewöhnlich großen Bestellmengen.
Beide Modelle sind zulässig. Du musst das gewählte Modell aber klar in deinen AGB dokumentieren, damit Kunden wissen, ab wann sie gebunden sind.
Pflicht zur Bestellübersicht vor Abschluss
Das Fernabsatzrecht verlangt, dass du dem Kunden unmittelbar vor dem Abschluss eine Zusammenfassung seiner Bestellung anzeigst (§ 312j Abs. 2 BGB). Diese Übersicht muss die wesentlichen Merkmale der Produkte, den Gesamtpreis inklusive Versand und bei Abonnements die Vertragslaufzeit und die Kündigungsbedingungen enthalten.
Der Bestell-Button muss so beschriftet sein, dass der Klick eine Zahlungspflicht auslöst. “Jetzt kaufen”, “Zahlungspflichtig bestellen” oder “Kaufen” erfüllen diese Anforderung. “Weiter”, “Bestätigen” oder ähnliche neutrale Formulierungen reichen nach § 312j Abs. 3 BGB nicht aus.
Shopify setzt die korrekte Beschriftung im Standard-Checkout um. Wenn du eigene Checkout-Elemente oder ein Custom Theme nutzt, prüfe das vor dem Launch.
Besonderheit: Digitale Produkte und Abonnements
Bei digitalen Produkten (Downloads, Software, Streaming) muss der Kunde ausdrücklich zustimmen, dass er auf sein 14-tägiges Widerrufsrecht verzichtet, wenn der Download sofort beginnt. Ohne diese ausdrückliche Zustimmung hast du keinen wirksamen Widerrufsverzicht.
Bei Abonnements gelten zusätzlich die Anforderungen des Telekommunikationsgesetzes (TKG) für bestimmte Bereiche sowie der allgemeinen Fernabsatzregeln. Kündigungsfristen, Verlängerungsregeln und Preisanpassungsklauseln müssen klar kommuniziert werden.
AGB richtig einbinden: So klappt die Einbeziehung
AGB gelten nur, wenn du sie wirksam in den Vertrag einbezogen hast. Das ist keine Formalie, sondern eine echte rechtliche Voraussetzung nach § 305 Abs. 2 BGB. shopcompliance.net bündelt AGB, Datenschutzerklärung und Widerrufsbelehrung in einem einzigen Compliance-Stack für Shopify:

Was das BGB verlangt
Du musst deinen Kunden vor Vertragsschluss ausdrücklich auf die AGB hinweisen und ihnen eine zumutbare Möglichkeit geben, von deren Inhalt Kenntnis zu nehmen. Außerdem müssen die Kunden mit der Geltung der AGB einverstanden sein.
Das bedeutet in der Praxis:
- Der Link zu den AGB muss gut sichtbar im Checkout vorhanden sein, nicht nur im Footer
- Kunden müssen die AGB lesen können, bevor sie die Bestellung abschließen
- Das Einverständnis muss aktiv erklärt werden
Eine Checkbox wie “Ich habe die AGB gelesen und bin einverstanden” ist der sicherste Weg. Manche Shops arbeiten mit einem Hinweis direkt beim Bestell-Button, zum Beispiel “Mit deiner Bestellung stimmst du unseren AGB zu.” Ob das ausreicht, ist rechtlich umstritten. Für die Praxis gilt: Die Checkbox ist sicherer.
Wichtig: Die Checkbox darf nicht vorausgefüllt sein. Vorausgefüllte Felder gelten rechtlich nicht als aktive Einwilligung.
AGB in Shopify ohne Code einbinden
Shopify bietet in den Shop-Einstellungen unter “Rechtliches” die Möglichkeit, Rechtstexte zu hinterlegen. Diese werden automatisch im Checkout verlinkt. Eine aktive Checkbox für die AGB ist im Standard-Checkout von Shopify nicht enthalten, lässt sich aber über Apps einbinden.
Wenn du einen vollständigen Compliance-Stack suchst, der AGB, Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung und gesetzliche Pflichthinweise zusammenführt und bei Gesetzesänderungen automatisch aktualisiert wird, bietet shopcompliance.net genau das, ohne dass du ins Theme eingreifst.
AGB erstellen: Selbst schreiben, Generator oder Anwalt?
Option 1: Selbst schreiben
Möglich, aber fehleranfällig. Wer juristisch nicht ausgebildet ist, übersieht leicht verbraucherschutzrechtliche Details oder verwendet unwirksame Klauseln. Selbst geschriebene AGB sind nur dann sinnvoll, wenn du sehr spezifische Geschäftsmodelle abbilden musst, die kein Generator abdeckt, etwa bei komplexen Lizenzmodellen oder hochpreisigen Maßanfertigungen.
Option 2: Kostenlose Muster-AGB
Die IHK und einige Anwaltskanzleien bieten Muster-AGB als Startpunkt an. Sie sind häufig veraltet oder zu allgemein gehalten. Muster-AGB ohne Anpassung zu verwenden ist riskant, weil du damit Klauseln übernimmst, die für dein Geschäftsmodell nicht passen oder inzwischen rechtlich nicht mehr korrekt sind.
Ein weiteres Problem: Wenn du Muster-AGB anderer Shops oder Anbieter eins zu eins kopierst, kann das als Urheberrechtsverletzung abgemahnt werden. AGB können als urheberrechtlich geschütztes Sprachwerk gelten, wenn sie hinreichende Individualität aufweisen.
Option 3: AGB-Generator (empfohlen für die meisten Shops)
Spezialisierte Rechtstextanbieter wie IT-Recht Kanzlei, e-recht24 oder Trusted Shops bieten AGB-Generatoren an, die auf Basis deiner Antworten zu Sortiment, Zahlungsarten und Lieferbedingungen maßgeschneiderte AGB erstellen. Kosten liegen je nach Anbieter zwischen null und 300 Euro jährlich für den Updateservice.
Der entscheidende Vorteil: Diese Anbieter aktualisieren die Texte, wenn sich die Rechtslage ändert. Das ist relevant, weil sich das E-Commerce-Recht in den letzten Jahren häufig verändert hat: Omnibus-Richtlinie 2022, OS-Plattform-Abschaltung 2025, GPSR-Einführung 2024, neue Verbraucherrechte bei digitalen Produkten. Wer seinen Rechtstext einmal erstellt und dann nie wieder anfasst, hat spätestens nach zwei Jahren meist veraltete Informationen.
Option 4: Anwalt
Für individuell zugeschnittene AGB, bei komplexen Abo-Modellen, B2B-Spezifikationen oder grenzüberschreitendem Handel in mehrere EU-Länder ist ein Fachanwalt für IT-Recht die sicherste Wahl. Einmalige Kosten liegen meist zwischen 500 und 2.000 Euro, je nach Umfang und Kanzlei.
Was du nach dem Erstellen tun musst
Unabhängig vom gewählten Weg sind diese Nacharbeiten wichtig:
- AGB auf Übereinstimmung mit deiner Datenschutzerklärung und dem Impressum prüfen: Widersprüche zwischen den Texten können zu Abmahnungen führen
- AGB im Checkout verlinken und die Einbindung testen, am besten mit einem Testkauf
- bei Änderungen im Sortiment oder bei neuen Zahlungsarten: AGB anpassen
- bei Gesetzesänderungen: AGB entweder selbst anpassen oder vom Anbieter aktualisieren lassen
Häufige Fehler und verbotene Klauseln
Nicht alle Klauseln, die in AGB auftauchen, sind auch wirksam. Das BGB schützt Verbraucher in §§ 307, 308, 309 vor bestimmten Formulierungen. Unwirksame Klauseln gelten als nicht vereinbart.
Verbotene Klauseln nach §§ 308, 309 BGB
Gewährleistungsausschluss gegenüber Verbrauchern: Klauseln wie “Es gilt kein Gewährleistungsrecht” oder eine Verkürzung auf ein Jahr sind im B2C-Bereich nichtig. Die zweijährige gesetzliche Gewährleistungsfrist gilt dann automatisch.
Vollständiger Haftungsausschluss: Du kannst die Haftung in AGB nicht vollständig ausschließen. Bei Vorsatz, grober Fahrlässigkeit und Verletzung wesentlicher Vertragspflichten haftest du immer. Bei Personenschäden ist jeder Ausschluss unzulässig.
Einseitige Preisänderungsrechte: Klauseln, die dir erlauben, Preise nach Vertragsschluss einseitig zu erhöhen, ohne dem Kunden ein Rücktrittsrecht zu geben, sind unwirksam.
Unangemessene Rücksende- oder Bearbeitungsgebühren: Klauseln, die für gesetzliche Widerrufe eine Bearbeitungsgebühr vorsehen, widersprechen dem Fernabsatzrecht.
Kopierte AGB: AGB von Mitbewerbern zu übernehmen ist nicht nur juristisch riskant wegen falsch passender Klauseln, sondern kann auch als Urheberrechtsverletzung abgemahnt werden.
Häufige Formfehler, die trotzdem kostenpflichtig werden
- AGB nur im Footer verlinkt, nicht im Checkout sichtbar
- Checkbox fehlt oder ist vorausgefüllt
- AGB in einer zu kleinen Schrift oder hinter einem Akkordeon versteckt, das beim Laden eingeklappt ist
- noch vorhandener Pflichthinweis auf die OS-Plattform nach ihrer Abschaltung am 1. Juli 2025
- Widerrufsbelehrung fehlt, oder das Muster-Widerrufsformular ist nicht zugänglich
- Keine korrekte Belehrung über Kosten der Rücksendung (ob der Käufer sie trägt oder nicht)
Was passiert, wenn AGB fehlen oder fehlerhaft sind?
Fehlende oder unwirksame Klauseln gelten als nicht vereinbart. In diesem Fall gilt das BGB mit seinen Auffangregeln. Diese sind für Verbraucher oft günstiger als das, was du vereinbart hättest. Im schlechteren Fall werden fehlerhafte Klauseln für eine Abmahnung genutzt. Abmahnkosten liegen selbst bei außergerichtlicher Einigung selten unter 500 Euro.
FAQ
Brauche ich AGB, wenn ich über Amazon oder Etsy verkaufe?
Bei Marktplätzen wie Amazon oder Etsy gelten die Marktplatz-AGB für die technische Abwicklung. Als Händler trittst du gegenüber deinen Kunden aber trotzdem als Vertragspartner auf. Eigene AGB, die du im Verkäuferprofil hinterlegst, schützen dich vor Abmahnungen wegen fehlender Pflichtinformationen.
Kann ich AGB auf Englisch verfassen, wenn ich an EU-Kunden verkaufe?
Nicht ohne Weiteres. Wenn du an deutschsprachige Kunden verkaufst, müssen AGB in verständlicher Sprache vorliegen. Englische AGB gegenüber Verbrauchern in Deutschland sind rechtlich angreifbar. Für den EU-weiten Verkauf brauchst du in der Regel länderspezifische Versionen, da sich das Verbraucherschutzrecht trotz EU-Harmonisierung noch unterscheidet.
Wie oft muss ich meine AGB aktualisieren?
Eine feste gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Du solltest sie aber überprüfen, wenn sich das Gesetz ändert (EU-Richtlinien, neue BGB-Vorschriften), wenn du neue Zahlungsarten oder Sortimentsbereiche hinzufügst oder wenn in deiner Branche Abmahnwellen auf verbreitete Klauselfehler hinweisen.
Was passiert, wenn meine AGB unwirksame Klauseln enthalten?
Unwirksame Klauseln gelten als nicht vereinbart. Es gilt dann automatisch die gesetzliche Regelung, die für dich als Händler oft ungünstiger ist. Im schlechteren Fall nutzt ein Konkurrent oder ein Abmahnverein die fehlerhafte Klausel für eine kostenpflichtige Abmahnung.
Kann ich die Widerrufsbelehrung in die AGB integrieren?
Ja, das ist üblich und rechtlich korrekt. Sie kann ein eigener Abschnitt in den AGB sein oder als separates Dokument mit eigenem Link eingebunden werden. Das Muster-Widerrufsformular muss in jedem Fall zugänglich sein, am besten als Anhang der Bestellbestätigung per E-Mail.
Ab wann gilt der Vertragsschluss bei einer Online-Bestellung?
Das hängt von deinen AGB ab. Üblich ist, dass der Vertrag entweder mit der Auftragsbestätigung oder mit der Versandbestätigung zustande kommt. Ohne klare Regelung in den AGB besteht das Risiko, dass bereits die automatische Bestelleingangsbestätigung als verbindliche Annahme gewertet wird.
EU-Pflichten automatisch im Shop erfüllen
ShopCompliance ermittelt per Quiz, welche Pflichten für dich gelten, und spielt sie automatisch an deinen Produkten aus. Kostenlos starten.
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